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Pferdeallergie: Auslöser, Übertragung über Kleidung und Tipps für Reiter

Nahaufnahme eines hellgrauen Pferdekopfs mit Mähne und Halfter in weichem Licht
Foto: Victor G · Unsplash

Bei einer Pferdeallergie reagiert das Immunsystem auf Eiweiße aus Hautpartikeln, Schleimhäuten und Urin von Pferden1. Das Hauptallergen heißt Equ c 1; es kann nachweislich Atemnot und Asthmaanfälle auslösen2. Schwedische Forschende schätzen, dass dort etwa 10 Prozent der Bevölkerung gegen Pferde sensibilisiert sind1.

Pferdeallergene verbreiten sich über die Luft und über Kleidung — Beschwerden sind deshalb auch ohne Pferd in der Nähe möglich1. Hier erfährst du, worauf Betroffene, Reiterinnen und Gastgeber achten können und was hinter „hypoallergenen“ Pferden steckt.

Was löst eine Pferdeallergie aus?

Auslöser sind Eiweiße, die über Hautpartikel, Schleimhäute und Urin der Pferde in Fell, Stallstaub und Luft gelangen1.

  • Die Allergen-Datenbank der WHO und der IUIS führt fünf aktive Pferdeallergene: Equ c 1 und Equ c 2 (Lipocaline), Equ c 3 (Serumalbumin), Equ c 4 (Latherin) und Equ c 6 (Lysozym)7.
  • Equ c 1 gilt als Hauptallergen2.
  • Allergenfreie Pferde gibt es nicht1.

Wer gegen Pferde allergisch ist, reagiert manchmal auch auf Katzen oder Hunde: Equ c 1 ist ähnlich gebaut wie das Hundeallergen Can f 6 und das Katzenallergen Fel d 44. Mehr dazu bei Katze und Hund.

Welche Symptome hat eine Pferdeallergie?

Die Beschwerden beginnen meist binnen Minuten nach Kontakt: Niesen, juckende und laufende Nase, gerötete, juckende Augen und Husten2.

  • Pferdekontakt kann Atemnot und Asthmaanfälle auslösen; für Equ c 1 ist das nachgewiesen2.
  • Auf der Haut sind Rötungen und Nesselsucht möglich2.
  • In Einzelfällen kommt es zu einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie)2.

Bei Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufproblemen: Notruf 112.

Warum reagiere ich auch ohne Pferd in der Nähe?

Weil Pferdeallergene über Luft und Kleidung weitergetragen werden1. Reiterkleidung, Stiefel oder Satteldecken nehmen Allergene aus dem Stall mit nach Hause, ins Auto oder in die Schule.

Eine weitere, oft übersehene Quelle ist Rosshaar: Es steckt in manchen Matratzen und Polstermöbeln13. Fachleute raten Pferdeallergikern, auf Reisen auf Rosshaarmatratzen zu achten6. Bessern sich Beschwerden, nachdem verdächtige Polster für einige Wochen entfernt wurden, gelten sie als mitverantwortlich3.

Gibt es hypoallergene Pferde für Allergiker?

Nein. Auch Curly Horses, die als hypoallergen vermarktet werden, geben nachweislich nicht weniger Allergene ab38.

Eine deutsche Studie von 2018 hat 224 Pferde aus 32 Rassen untersucht8:

  • Curly Horses hatten bei allen gemessenen Allergenen höhere Werte als die meisten anderen Rassen8.
  • Beim Striegeln fanden sich in der Luft keine Unterschiede zwischen Curly Horses und Quarter Horses8.
  • Tinker, Islandpferde und Shetlandponys lagen beim Equ c 1 etwa siebenfach niedriger, die Unterschiede zwischen einzelnen Tieren waren aber sehr groß8.
  • Hengste hatten höhere Werte als Stuten, bei Equ c 1 etwa um den Faktor 3,5; Stuten und Wallache unterschieden sich kaum8.

Das Fazit der Autorinnen und Autoren: Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für hypoallergene Eigenschaften von Curly Horses8. Weniger Allergen heißt auch nicht allergenfrei.

Kann ich mit Pferdeallergie weiter reiten?

Das ist eine Entscheidung, die du mit deiner Allergologin treffen solltest. Am wirksamsten ist es, den Kontakt zu meiden; bei anhaltendem Kontakt steigt das Risiko, dass sich die Allergie verschlimmert, etwa zu allergischem Asthma5.

Diagnostiziert wird mit Haut- und Bluttests; Bluttests auf einzelne Allergenkomponenten helfen, Kreuzreaktionen mit Katze und Hund zu erkennen4. Gegen akute Beschwerden helfen Antihistaminika oder Kortison5. Zur Hyposensibilisierung gegen Tierallergene gibt es nur wenige aussagekräftige Daten5.

Wer weiter Kontakt hat, kann die Belastung senken:

  • Kleidung nach dem Stall wechseln und waschen, Hände waschen5.
  • Reitsachen nicht in Schlafzimmer oder Wohnräume mitnehmen1.
  • Beim Striegeln gelangen Pferdeallergene in die Atemluft8. Wenn möglich, übernimmt das Putzen jemand ohne Allergie.

Besuch mit Pferdeallergie: Was können Reiter und Gastgeber tun?

Wenn du reitest und Besuch mit Pferdeallergie erwartest, geht es vor allem um Kleidung und Gegenstände aus dem Stall.

  • Vorher duschen und umziehen: Nach dem Stall frische Kleidung anziehen, bevor du deinen Gast triffst oder abholst1.
  • Reitsachen auslagern: Jacke, Stiefel, Helm und Satteldecken nicht in Flur, Gästezimmer oder Auto lassen1.
  • Gästebett prüfen: Keine Rosshaarmatratze und keine Polster mit Rosshaarfüllung36. Kissen und Decken mit Polyesterfüllung, die bei 60 °C waschbar sind, sind eine gute Wahl3.
  • Ausflüge: Reiterhof, Ponyreiten oder Kutschfahrt lieber durch etwas anderes ersetzen.
  • Kinder: Bei Kindergeburtstagen oder Ferien auf dem Bauernhof die Gastgeber vorher informieren; Allergene hängen auch an der Kleidung der anderen Kinder1.

Auch umgekehrt gilt: Wenn du als Reiterin eine Person mit Pferdeallergie besuchst, komm in frisch gewaschener Kleidung, nicht direkt aus dem Stall1.

Häufige Fragen

Sind Curly Horses für Pferdeallergiker geeignet?

Nein. In einer Studie mit 224 Pferden hatten Curly Horses sogar höhere Allergenwerte als die meisten Rassen8.

Kann ich auf Pferde reagieren, ohne je im Stall gewesen zu sein?

Ja. Pferdeallergene werden über Kleidung weitergetragen und stecken auch in Rosshaar, etwa in Matratzen oder Polstern1.

Ist eine Stute besser als ein Hengst?

Hengste hatten in einer Studie höhere Allergenwerte als Stuten8. Die Unterschiede zwischen einzelnen Pferden waren aber sehr groß, allergenfrei ist keines81.

Gibt es Kreuzreaktionen mit Katze und Hund?

Das ist möglich: Equ c 1 ähnelt dem Katzenallergen Fel d 4 und dem Hundeallergen Can f 64. Ein Komponententest im Blut klärt das.

So steht es im Pass

Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:

  • leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
  • mitteldeutliche Reaktion
  • schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
  • anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei

Quellen

  1. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Tierhaarallergie – Was ist das?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Tierhaarallergie: Plötzlich Symptome. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie kann man Tierhaarallergien vorbeugen?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Tierhaarallergie: So läuft die Diagnose. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie wird eine Tierhaarallergie behandelt?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Reisen mit Allergien – Tipps und Infos zur guten Vorbereitung. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  7. WHO/IUIS Allergen Nomenclature Sub-Committee: Allergen-Datenbank: Equus caballus. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  8. PLoS ONE / Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA): Lower allergen levels in hypoallergenic Curly Horses? A comparison among breeds by measurements of horse allergens in hair and air samples (Zahradnik et al., PLoS ONE 2018). Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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