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Favismus: Ackerbohnen, G6PD-Mangel und was Gastgeber wissen sollten

Frisch gepalte, hellgrüne Ackerbohnen in Nahaufnahme
Foto: amirmasoud · Unsplash

Favismus ist eine plötzliche Zerstörung roter Blutkörperchen nach dem Verzehr von Ackerbohnen (Vicia faba). Sie trifft Menschen mit einem erblichen Mangel des Enzyms Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase, kurz G6PD-Mangel14. Weltweit haben schätzungsweise 400 Millionen Menschen diesen Enzymmangel, viele merken ihr Leben lang nichts davon1.

Außer Ackerbohnen können auch Infektionen und bestimmte Medikamente eine solche Krise auslösen13. Hier liest du, worauf Betroffene achten, woran du eine Krise erkennst und was du als Gastgeber oder beim Kochen wissen solltest.

Was ist Favismus?

Favismus ist keine Allergie, sondern die Folge eines angeborenen Enzymmangels2. Das Enzym G6PD schützt die roten Blutkörperchen vor Schäden durch aggressive Sauerstoffverbindungen24. Fehlt es, können bestimmte Stoffe die Blutkörperchen angreifen, sodass sie zerfallen. Fachleute nennen das Hämolyse2.

In Ackerbohnen stecken die Stoffe Vicin und Convicin. Im Körper entstehen daraus Divicin und Isouramil, die als Hauptauslöser des Favismus gelten5. Wie stark jemand reagiert, ist sehr unterschiedlich – von unbemerkt bis lebensbedrohlich25.

Wer ist von G6PD-Mangel betroffen?

Der G6PD-Mangel ist besonders häufig bei Menschen mit Vorfahren aus Afrika, Asien, dem Mittelmeerraum und dem Nahen Osten12. In den USA haben mehr als 10 Prozent der afroamerikanischen Männer einen G6PD-Mangel3.

Das Gen für das Enzym liegt auf dem X-Chromosom. Deshalb sind vor allem Männer betroffen, Frauen können aber ebenfalls Beschwerden haben12.

Bei Neugeborenen ist der G6PD-Mangel eine wichtige Ursache für leichte bis schwere Neugeborenengelbsucht1.

Was löst beim Favismus eine Krise aus?

Die drei wichtigsten Auslöser sind Ackerbohnen, bestimmte Medikamente und Infektionen13.

Ackerbohnen und ihre Pollen

  • Roh und gekocht: Hitze baut Vicin und Convicin nur teilweise ab, Krisen sind nach rohen wie nach gekochten Bohnen beschrieben5.
  • Auch das Einatmen von Pollen blühender Ackerbohnen kann eine Reaktion auslösen4.
  • Ackerbohnen gelten als eiweißreicher Ersatz für Fleisch und Soja5 – sie können also auch in verarbeiteten Lebensmitteln stecken.

Medikamente und Chemikalien

Zu den bekannten Auslösern gehören zum Beispiel das Malariamittel Primaquin, Dapson, Rasburicase, Methylenblau, Nitrofurane und Sulfonamide, außerdem die Chemikalie Naphthalin3. Die Liste ist nicht vollständig. Vor jedem neuen Medikament sollten Ärztin oder Apotheke vom G6PD-Mangel wissen.

Infektionen

Auch Fieber, Virus- oder Bakterieninfekte und eine diabetische Ketoazidose können eine Hämolyse auslösen3.

Weiße Blüte der Ackerbohne mit dunklem Fleck auf den Flügeln
Blühende Ackerbohne (Vicia faba): Auch ihre Pollen können bei G6PD-Mangel eine Reaktion auslösen. Foto: Schlaghecken Josef, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Welche Symptome hat Favismus – und wann ist es ein Notfall?

Nach dem Essen von Ackerbohnen zeigen sich Beschwerden meist nach 5 bis 24 Stunden, nach dem Einatmen von Pollen schon kurz danach4. Oft verläuft eine Hämolyse leicht und unbemerkt2.

Bei stärkerem Zerfall roter Blutkörperchen kommt es zu:

  • Gelbfärbung von Haut und Augen
  • dunklem Urin
  • Erschöpfung und Kurzatmigkeit
  • manchmal Rücken- oder Bauchschmerzen2

Wann es ein Notfall ist

Eine schwere Hämolyse kann die Nieren schädigen bis zum akuten Nierenversagen3. Dunkler Urin, Gelbfärbung oder Atemnot nach Ackerbohnen, einem neuen Medikament oder während eines Infekts gehören deshalb sofort ärztlich abgeklärt. Bei Bewusstseinsstörungen oder starker Atemnot den Notruf 112 wählen. In schweren Fällen werden Betroffene im Krankenhaus mit Infusionen, Sauerstoff oder Bluttransfusionen behandelt2.

Wie wird ein G6PD-Mangel festgestellt?

Ein Bluttest misst die Aktivität des Enzyms G6PD, ergänzt durch einen Blutausstrich2.

Während und kurz nach einer Krise kann der Test fälschlich normal ausfallen. Er wird dann einige Wochen später wiederholt3. Bei einer ausgeprägten Neugeborenengelbsucht kann ebenfalls auf G6PD-Mangel getestet werden3.

Oft ist keine Behandlung nötig, weil sich die Zahl der roten Blutkörperchen nach einer leichten Krise von selbst erholt. Wichtig ist vor allem, die Auslöser zu meiden23.

Worauf muss ich achten, wenn ich für jemanden mit Favismus koche?

Ackerbohnen kommen gar nicht auf den Tisch – weder roh noch gekocht5. Auch bekannt sind sie als Favabohnen, Dicke Bohnen oder Saubohnen.

Beim Einkaufen

  • Ackerbohnen gehören nicht zu den 14 Allergenen, die in der Zutatenliste hervorgehoben werden müssen6. Lies die Zutatenliste deshalb Wort für Wort, vor allem bei Fleischersatz, Proteinprodukten und Backmischungen.
  • Bei Gerichten aus der Mittelmeer- und Nahost-Küche, etwa Bohnenpürees oder Falafel, nachfragen, welche Bohnen verwendet wurden.
  • Steht nur „Bohnenprotein“ oder „Hülsenfruchtmehl“ auf der Packung, lieber nachfragen statt raten.

Bei Besuch und Übernachtung

  • Blühende Ackerbohnen im Garten können über die Pollen eine Reaktion auslösen4.
  • Keine Medikamente aus der Hausapotheke anbieten, ohne dass die betroffene Person sie selbst geprüft hat3.

Häufige Fragen

Sind gekochte Ackerbohnen bei Favismus unbedenklich?

Nein. Kochen baut die auslösenden Stoffe nur teilweise ab, Krisen sind auch nach gekochten Bohnen beschrieben5.

Ist Favismus eine Allergie?

Nein. Favismus beruht auf einem erblichen Enzymmangel, der rote Blutkörperchen anfällig für Zerfall macht2.

Können auch Frauen einen G6PD-Mangel haben?

Ja. Männer sind häufiger betroffen, weil das Gen auf dem X-Chromosom liegt, aber auch Frauen können Beschwerden haben1.

Hat jeder mit G6PD-Mangel Beschwerden?

Nein. Viele Menschen mit G6PD-Mangel haben nie Symptome1. Gefährlich wird es erst, wenn ein Auslöser wie Ackerbohnen, ein bestimmtes Medikament oder eine Infektion dazukommt13.

So steht es im Pass

Erkrankungen stehen ganz oben in der Kurzfassung und darunter als eigene Karte, mit dauerhaft sichtbarer Erklärung. Eine Stufe gibt es nicht: Man hat die Erkrankung oder man hat sie nicht.

Quellen

  1. MedlinePlus Genetics, U.S. National Library of Medicine: Glucose-6-phosphate dehydrogenase deficiency. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase(G6PD)-Mangel. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. MSD Manual, Profi-Ausgabe: Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (G6PD-Mangel). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. Cornell University, Department of Animal Science (Plants Poisonous to Livestock): Vicine and Covicine. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. Rizzello C. G. et al., Scientific Reports 2016 (PubMed Central): Degradation of vicine, convicine and their aglycones during fermentation of faba bean flour. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. Europäisches Parlament und Rat, EUR-Lex: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (LMIV), Anhang II. Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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