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Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS): Symptome, Diagnose, Alltag

Frische Paprika, Möhren und ein Apfel auf einem hellen Holzteller
Foto: Alexander Schimmeck · Unsplash

Beim Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) schütten Mastzellen immer wieder anfallsartig große Mengen Botenstoffe wie Histamin und Tryptase aus. Das führt zu schweren Reaktionen an mehreren Organen gleichzeitig, bis hin zur Anaphylaxie12. Nach den internationalen Konsenskriterien ist ein eindeutig nachgewiesenes MCAS selten, und viele Menschen mit diesem Verdacht haben eine andere Ursache für ihre Beschwerden2.

Hier erfährst du, wie MCAS nach diesen Kriterien festgestellt wird, wie es sich von der Mastozytose unterscheidet und worauf es ankommt, wenn du für einen betroffenen Menschen kochst oder ihn zu Gast hast.

Was ist ein Mastzellaktivierungssyndrom?

Mastzellen sind Immunzellen, die Botenstoffe wie Histamin, Tryptase, Prostaglandine und Leukotriene speichern und bei Bedarf freisetzen. Diese Stoffe verursachen zum Beispiel die Beschwerden bei einer allergischen Reaktion4.

Von einem MCAS sprechen Fachleute, wenn diese Ausschüttung schwer, wiederkehrend und anfallsartig auftritt und mindestens zwei Organsysteme gleichzeitig betrifft2. Die internationale Konsensgruppe unterscheidet drei Formen1:

  • Primäres MCAS: Die Mastzellen sind klonal verändert, also aus einer veränderten Zelle hervorgegangen – ähnlich wie bei einer Mastozytose.
  • Sekundäres MCAS: Eine andere Erkrankung, meist eine Allergie, löst die Aktivierung aus.
  • Idiopathisches MCAS: Es findet sich keine Ursache. Diese Diagnose steht erst am Ende einer gründlichen Abklärung.
Mikroskopisches Bild von Darmschleimhaut, einzelne Mastzellen sind braun angefärbt
Mastzellen in der Dünndarmschleimhaut, durch eine Spezialfärbung braun markiert. Foto: Mikael Häggström, M.D. Author info - Reusing images- Conflicts of interest: None Mikael Häggström, M.D.Consent note: Consent from the patient or patient's relatives is regarded as redundant, because of absence of identifiable features (List of HIPAA identifiers) in the media and case information (See also HIPAA case reports guidance)., CC0 · Wikimedia Commons

Was ist der Unterschied zwischen MCAS und Mastozytose?

Bei einer Mastozytose gibt es zu viele, krankhaft veränderte Mastzellen, bei einem MCAS geht es um wiederholte, heftige Aktivierung13.

Mastozytose

  • Neoplastische Mastzellen sammeln sich in der Haut oder bei der systemischen Form im Knochenmark und anderen Organen an3.
  • Bei über 90 Prozent der Erwachsenen mit systemischer Mastozytose lässt sich eine aktivierende Mutation im KIT-Gen nachweisen, meist KIT D816V3.
  • Die häufigste Form, die indolente systemische Mastozytose, wird auf etwa 1 von 100.000 Menschen geschätzt, die tatsächliche Zahl ist vermutlich höher. Die Lebenserwartung ist dabei normal3.
  • Gesichert wird sie meist über eine Knochenmarkuntersuchung nach WHO-Kriterien3.

Was beide verbindet

Viele Beschwerden der Mastozytose entstehen ebenfalls durch freigesetzte Botenstoffe: Juckreiz, Flush, Nesselsucht, Bauchkrämpfe, Kreislaufprobleme3. Menschen mit Mastozytose haben ein erhöhtes Risiko für besonders schwere Anaphylaxien, etwa nach Stichen von Wespen oder Bienen43.

Welche Symptome hat ein MCAS?

Typisch sind Anfälle, bei denen mehrere Organe gleichzeitig reagieren: Nesselsucht oder Flush an der Haut, Bauchkrämpfe und Durchfall, Blutdruckabfall bis zur Ohnmacht2. Die Konsensgruppe betont, dass ein MCAS fast immer mit schweren Episoden bis hin zur Anaphylaxie einhergeht2.

Kein einzelnes Symptom ist spezifisch für eine Mastzellaktivierung1. Ähnliche Beschwerden haben viele andere Ursachen, zum Beispiel chronische Urtikaria, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Kohlenhydrat-Unverträglichkeiten oder Zöliakie5. Deshalb ist eine sorgfältige ärztliche Abklärung so wichtig.

Wie wird ein MCAS festgestellt?

Nach den Konsenskriterien müssen drei Bedingungen erfüllt sein: typische schwere Anfälle, ein messbarer Anstieg der Mastzell-Botenstoffe und ein deutliches Ansprechen auf Medikamente, die diese Botenstoffe blockieren1.

Die Tryptase-Formel

Während oder kurz nach einem Anfall muss die Serumtryptase um mindestens 20 Prozent plus 2 ng/ml über dem persönlichen Grundwert liegen1. Liegt der Grundwert etwa bei 5 ng/ml, spricht ein Wert über 8 ng/ml für eine Mastzellaktivierung2. Am aussagekräftigsten ist eine Blutabnahme ein bis vier Stunden nach Beginn der Beschwerden. Der Grundwert wird frühestens 24 bis 48 Stunden nach dem Abklingen bestimmt2.

Was ein erhöhter Grundwert bedeutet

Ein dauerhaft erhöhter Tryptasewert allein ist kein Beweis für ein MCAS12. Etwa 5 Prozent der Bevölkerung haben eine angeborene hereditäre Alpha-Tryptasämie mit erhöhten Werten3.

Vorsicht vor vorschnellen Diagnosen

Die Autorinnen und Autoren der Kriterien warnen, dass die Diagnose manchmal ohne solide Grundlage gestellt wird – und dann eine andere, behandelbare Erkrankung übersehen werden kann1. Die Zahl der Überweisungen wegen MCAS-Verdacht steigt, viele Betroffene erfüllen die Kriterien aber nicht2.

Hilft eine bestimmte Ernährung bei MCAS?

Eine Diät, die ein MCAS heilt, gibt es nicht. Die Leitlinie zur Mastozytose rät davon ab, pauschal alle histaminhaltigen Lebensmittel zu meiden, weil das zu Vermeidungsverhalten und Mangelernährung führen kann3.

Sinnvoller ist es, mit einem Tagebuch die persönlichen Auslöser zu finden und gezielt diese zu meiden3. Als mögliche Auslöser nennt die Fachliteratur bestimmte Lebensmittel, Medikamente, körperliche Anstrengung, Stress, Infektionen, physikalische Reize und Insektengift3. Alkohol kann Reaktionen verstärken2.

Behandlung und Notfall

Medikamente, die Histamin oder andere Botenstoffe blockieren, gehören zur Behandlung – ein gutes Ansprechen darauf ist sogar Teil der Diagnose1. Wer ein Anaphylaxie-Risiko hat, trägt ein Notfallset mit Adrenalin-Pen und einen Notfallausweis bei sich3. Erwachsene mit Mastozytose bekommen den Adrenalin-Autoinjektor laut Anaphylaxie-Leitlinie auch dann, wenn sie noch nie eine Anaphylaxie hatten4.

Worauf muss ich achten, wenn ich für jemanden mit MCAS koche?

Frag nach den persönlichen Auslösern, denn sie sind von Mensch zu Mensch verschieden und lassen sich nicht als feste Liste abhaken3. Weil auch Stress, Anstrengung oder Infekte eine Rolle spielen können3, hängt es manchmal von der Tagesform ab, was gut geht.

Praktisch

  • Viele Betroffene vertragen histaminreiche Speisen schlecht, häufig genannt werden gereifter Käse, Rotwein, Schokolade und Nüsse3. Weil der Histamingehalt mit Reifegrad und Lagerdauer stark schwankt, ist frisch Gekochtes meist die sicherere Wahl5.
  • Ein alkoholfreies Getränk anbieten, Alkohol kann Reaktionen verstärken2.
  • Zutaten offen nennen, damit die Person selbst entscheiden kann.
  • Wenn sie dich bittet, auf Duftkerzen, Raumspray oder starke Gerüche zu verzichten, nimm das ernst – manche Betroffene reagieren auch auf Reize außerhalb des Essens.

Wenn es ernst wird

Frag vorher, wo das Notfallset liegt. Plötzliche Atemnot, Husten oder pfeifende Atmung, Schwellungen an Haut und Schleimhäuten, Kollaps oder Herzrasen sind Zeichen einer Anaphylaxie4: Dann sofort den Notruf 112 wählen. Ein verordneter Adrenalin-Autoinjektor wird so angewendet, wie es ärztlich besprochen und eingeübt wurde.

Häufige Fragen

Ist MCAS dasselbe wie eine Histaminintoleranz?

Nein. Beim MCAS setzen die eigenen Mastzellen anfallsartig Botenstoffe frei1. Bei der vermuteten Histaminintoleranz geht es um Histamin aus dem Essen – und deren Existenz wird in der Leitlinie angezweifelt5.

Wie häufig ist ein MCAS?

Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Die Konsensgruppe beschreibt ein eindeutiges MCAS als ungewöhnliche Erkrankung2.

Was bedeutet ein erhöhter Tryptasewert?

Ein dauerhaft erhöhter Wert kann zum Beispiel an einer angeborenen Alpha-Tryptasämie oder an einer Mastozytose liegen und muss ärztlich eingeordnet werden3. Ein MCAS lässt sich daraus allein nicht ableiten2.

Muss man bei MCAS histaminarm essen?

Nicht pauschal. Fachleute raten, die individuellen Auslöser mit einem Tagebuch zu finden und nur diese zu meiden3.

So steht es im Pass

Erkrankungen stehen ganz oben in der Kurzfassung und darunter als eigene Karte, mit dauerhaft sichtbarer Erklärung. Eine Stufe gibt es nicht: Man hat die Erkrankung oder man hat sie nicht.

Quellen

  1. Valent P. et al., International Archives of Allergy and Immunology 2012 (PubMed Central): Definitions, criteria and global classification of mast cell disorders with special reference to mast cell activation syndromes: a consensus proposal. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. Valent P. et al., Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice 2019 (PubMed Central): Proposed Diagnostic Algorithm for Patients with Suspected Mast Cell Activation Syndrome. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Mastozytose, systemische (Onkopedia-Leitlinie, Stand Januar 2024). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. DGAKI, AeDA, GPA u. a., Allergo Journal International 2021: Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie – Update 2021 (S2k, AWMF 061-025). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. DGAKI, GPA, AeDA, SGAI, ÖGAI; Allergologie 2021: Leitlinie zum Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin (AWMF 061-030). Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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