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Phenylketonurie (PKU): eiweißarme Diät, Aspartam und sicher kochen

Buntes Obst und Gemüse rund um ein rundes Holzbrett
Foto: engin akyurt · Unsplash

Phenylketonurie (PKU) ist eine angeborene Stoffwechselstörung: Der Körper kann die Aminosäure Phenylalanin nicht oder nur zum Teil abbauen2. Unbehandelt reichert sich Phenylalanin an und schädigt das Gehirn23. In Deutschland ist etwa eines von 10.000 Neugeborenen betroffen1.

Die gute Nachricht: PKU wird beim Neugeborenen-Screening erkannt, und mit einer früh begonnenen, phenylalaninarmen Ernährung lassen sich die Folgen meist vermeiden1. Diese Seite erklärt, wie die Diät funktioniert, warum Aspartam tabu ist und worauf du achtest, wenn du für einen Menschen mit PKU kochst.

Was ist Phenylketonurie?

Bei PKU arbeitet das Enzym nicht richtig, das Phenylalanin in die Aminosäure Tyrosin umwandelt2. Phenylalanin steckt in jedem Eiweiß. Weil es nicht abgebaut wird, sammelt es sich in Blut und Gewebe an4.

  • Vererbung: PKU wird autosomal-rezessiv vererbt. Beide Eltern tragen meist je eine veränderte Genkopie, ohne selbst krank zu sein4.
  • Folgen ohne Behandlung: Krampfanfälle, Spastik und eine bleibende geistige Behinderung13.
  • Häufigkeit: In Deutschland kommen jedes Jahr etwa 70 Kinder mit PKU zur Welt2.

PKU ist keine Allergie und keine Unverträglichkeit im üblichen Sinn. Es geht nicht um Spuren, sondern um die Gesamtmenge an Phenylalanin über den Tag.

Wie wird PKU beim Neugeborenen-Screening erkannt?

Am zweiten bis dritten Lebenstag, 36 bis 72 Stunden nach der Geburt, werden dem Baby wenige Blutstropfen aus der Ferse oder einer Vene entnommen und auf eine Filterpapierkarte getropft1. Ein Screeninglabor untersucht die Probe unter anderem auf PKU15.

  • Die Teilnahme ist freiwillig, die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenkassen1.
  • Ein auffälliges Screening ist noch keine Diagnose. Es wird mit weiteren Untersuchungen abgeklärt1.
  • Wird PKU bestätigt, beginnt die Behandlung sofort, denn Phenylalanin schädigt das Gehirn, wenn die Erkrankung nicht in den ersten Lebenswochen entdeckt wird2.

Heilen lässt sich PKU nicht. Mit einer frühen Behandlung lassen sich die Auswirkungen aber vermeiden oder zumindest vermindern1.

Wie sieht die Diät bei Phenylketonurie aus?

Die Grundlage ist eine phenylalaninarme Ernährung, kombiniert mit einer Aminosäuremischung ohne Phenylalanin3. Diese Mischung ersetzt das Eiweiß, das Betroffene aus normalen Lebensmitteln nicht essen dürfen2.

Was das im Alltag heißt

  • Tierisches Eiweiß wird stark begrenzt oder ganz weggelassen3.
  • Brot, Mehl und Nudeln aus Weizen enthalten zu viel Eiweiß und werden durch spezielle eiweißarme Produkte ersetzt32.
  • Obst und Gemüse mit wenig Phenylalanin – weniger als 75 mg pro 100 g – erhöhen den Blutwert nicht und gelten als frei3.
  • Fette und fast eiweißfreie Lebensmittel wie Marmelade sind nicht eingeschränkt2.
  • Lebensmittel mit wenig Eiweiß sind in berechneten und abgewogenen Mengen erlaubt2.
  • Die Aminosäuremischung wird über den Tag verteilt, mindestens in drei Portionen3.

Lebenslang

Die europäischen Leitlinien empfehlen die Behandlung lebenslang, weil es keine guten Belege gibt, dass ein Absetzen im Erwachsenenalter sicher ist3. Für einen Teil der Betroffenen gibt es zusätzlich Medikamente, etwa eine Kofaktor-Therapie mit BH4 (Sapropterin) oder eine Enzymersatztherapie32.

Warum ist Aspartam bei PKU tabu?

Der Süßstoff Aspartam (E 951) ist eine Phenylalaninquelle3. Deshalb muss auf Lebensmitteln mit Aspartam stehen: „enthält eine Phenylalaninquelle“ oder, wenn nur die E-Nummer genannt ist, „enthält Aspartam (eine Phenylalaninquelle)“6.

Da es viele andere Süßstoffe ohne Phenylalanin gibt, lässt sich Aspartam gut meiden3. Auch Medikamente sollten bei PKU frei von Aspartam sein3.

Achte beim Einkauf vor allem bei zuckerfreien oder kalorienreduzierten Getränken, Kaugummis und Süßwaren auf den Hinweis.

Was bedeutet PKU in der Schwangerschaft?

Frauen mit PKU sollten schon vor der Empfängnis und während der ganzen Schwangerschaft streng phenylalaninarm essen23.

Hohe Phenylalaninwerte der Mutter schaden dem ungeborenen Kind. Ohne Diät steigt das Risiko für geistige Behinderung, niedriges Geburtsgewicht, Herzfehler und einen zu kleinen Kopf (Mikrozephalie)4. Fachleute sprechen von maternaler PKU.

Worauf muss ich achten, wenn ich für jemanden mit PKU koche?

Bei PKU wird nicht nach Spuren gefragt, sondern gerechnet: Wie viel Phenylalanin steckt in der Portion? Betroffene und Eltern wiegen und berechnen die erlaubten Mengen2. Sprich deshalb vorher ab, was du kochst, und nenn die Mengen.

Praktisch

  • Plane Gemüse, Obst und Fett als Grundlage – frag aber nach, welche Mengen passen32.
  • Fleisch, Fisch, Eier, Käse und normale Backwaren nicht ungefragt auf den Teller legen3.
  • Normales Brot und normale Nudeln durch eiweißarme Spezialprodukte ersetzen2 – frag, ob die Familie welche mitbringt.
  • Keine Getränke oder Süßigkeiten mit Aspartam anbieten, auf „Phenylalaninquelle“ auf der Packung achten6.
  • Saucen, Dressings und Desserts nicht nachträglich mit Käse, Sahne, Nüssen oder Milch anreichern.

In Kita und Schule

Die Aminosäuremischung muss regelmäßig über den Tag verteilt genommen werden3. Kläre mit den Eltern, wann und wie sie gegeben wird.

Häufige Fragen

Ist Phenylketonurie heilbar?

Nein, PKU ist angeboren und lässt sich nicht heilen. Mit früh begonnener Behandlung lassen sich die Folgen aber meist vermeiden1.

Muss die PKU-Diät lebenslang eingehalten werden?

Ja, die europäischen Leitlinien empfehlen die Behandlung lebenslang3. Auch die Patientenorganisation DIG PKU betont, dass die Ernährung lebensbegleitend bleibt2.

Was bedeutet „enthält eine Phenylalaninquelle“?

Der Hinweis zeigt, dass das Produkt den Süßstoff Aspartam enthält. Er ist nach EU-Recht vorgeschrieben6 und für Menschen mit PKU das wichtigste Warnsignal auf der Packung.

Ist Obst bei PKU erlaubt?

Ja, Obst- und Gemüsesorten mit weniger als 75 mg Phenylalanin pro 100 g gelten als frei3. Welche Sorten das genau sind, wissen die Betroffenen aus ihrer Ernährungsberatung.

So steht es im Pass

Erkrankungen stehen ganz oben in der Kurzfassung und darunter als eigene Karte, mit dauerhaft sichtbarer Erklärung. Eine Stufe gibt es nicht: Man hat die Erkrankung oder man hat sie nicht.

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), bereitgestellt von der Deutschen Gesellschaft für Neugeborenenscreening: Elterninformation zum erweiterten Neugeborenen-Screening (Anlage zur Kinder-Richtlinie, Stand 2016). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. DIG PKU – Deutsche Interessengemeinschaft Phenylketonurie und verwandte angeborene Stoffwechselstörungen e. V.: Phenylketonurie (PKU). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. van Wegberg A. M. J. et al., Orphanet Journal of Rare Diseases 2017 (PubMed Central): The complete European guidelines on phenylketonuria: diagnosis and treatment. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. MedlinePlus Genetics, U.S. National Library of Medicine: Phenylketonuria. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. Deutsche Gesellschaft für Neugeborenenscreening e. V. (DGNS): Zielkrankheiten. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. Europäisches Parlament und Rat, EUR-Lex: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (LMIV), Anhang III Nr. 2.3. Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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