Allergiepass: wer ihn ausstellt, was drinsteht und was ihn im Alltag ergänzt

Ein Allergiepass ist ein ärztliches Dokument. Darin hält eine Ärztin oder ein Arzt fest, worauf du allergisch reagierst und wie die Reaktion war, damit dir der Auslöser nicht noch einmal gegeben wird[1]. Du solltest ihn immer bei dir tragen: Im Notfall sehen Ärztinnen und Ärzte so sofort, welche Medikamente sie nicht geben dürfen[6][14].
Hier erfährst du, wer den Pass ausstellt, was hineingehört, wie er sich vom Anaphylaxie-Pass und vom Notfallplan unterscheidet und was es digital gibt. Und warum es für Gastgeber, Kita und Restaurant noch etwas anderes braucht.
Wofür gibt es den Allergiepass?
Ist eine Allergie oder Überempfindlichkeit gegen ein Arzneimittel festgestellt, soll sie laut Leitlinie der Fachgesellschaften in einem Allergiepass stehen. So wird das Mittel bei künftigen Behandlungen sicher gemieden, und an den Inhalt müssen sich alle halten, die dich später behandeln[1].
Auch bei anderen Allergien gehört ein Pass dazu. Bei einer gesicherten Insektengiftallergie solltest du dir einen Allergiepass ausstellen lassen und ihn immer dabeihaben[5]. Nach einer schweren allergischen Reaktion übernehmen niedergelassene Allergologinnen und Allergologen die weitere Abklärung, einschließlich des Allergiepasses[4].
Was steht im Allergiepass?
Welche Angaben hineingehören, beschreibt die Leitlinie zur Diagnostik von Arzneimittelallergien[1]:
- Auslöser: bei Medikamenten mit dem internationalen Wirkstoffnamen, nicht nur mit dem Handelsnamen[1][2].
- Reaktion: was passiert ist, also das Bild der Reaktion[1].
- Kreuzreaktionen: Hinweise auf verwandte Wirkstoffe, die ebenfalls Probleme machen können[1].
- Ausweichmittel: getestete Alternativen, möglichst mit der höchsten Dosis, die vertragen wurde[1].
- Vorbeugung: etwa, dass vor einer Untersuchung mit Röntgenkontrastmittel oder vor einer Narkose vorbeugend Medikamente nötig sind[1].
Für die Penicillinallergie und andere Betalaktam-Antibiotika verlangt die Leitlinie außerdem, dass der Pass allgemein verständlich formuliert ist[2].
Wer stellt den Allergiepass aus?
Die Ärztin oder der Arzt, die oder der die Allergie abgeklärt hat. Für Arzneimittelallergien empfiehlt die Leitlinie ausdrücklich, dass nur allergologisch erfahrene Ärztinnen und Ärzte den Pass ausstellen. Selbst eintragen dürfen die Betroffenen nichts[1].
Löst in der Klinik ein Medikament eine schwere allergische Reaktion aus, soll die Klinik einen Allergiepass oder eine genaue Beschreibung der Reaktion mitgeben. Kam es während einer Operation dazu, gibt es einen Anästhesieausweis[3].
Allergiepass, Anaphylaxie-Pass und Notfallplan: Was ist der Unterschied?
Die Namen klingen ähnlich, die Dokumente haben aber verschiedene Aufgaben:
- Allergiepass: dokumentiert Auslöser und Reaktion für Ärztinnen, Ärzte und Rettungsdienst. War ein Arzneimittel der Auslöser einer schweren Reaktion, gehören zur Entlassung aus der Klinik die Empfehlung, es zu meiden, und ein Allergiepass[3].
- Anaphylaxie-Pass: für alle, die schon einmal schwer reagiert haben oder bei denen das Risiko besteht. Er ist ein schriftlicher Plan zur Selbsthilfe und nennt neben den Auslösern, welche Notfallmedikamente du je nach Reaktion wie anwendest[3]. Er gehört ins Notfallset[3]. Den Anaphylaxie-Pass der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie gibt es zum Herunterladen; ausfüllen und abstempeln muss ihn die Ärztin oder der Arzt[8].
- Anaphylaxie-Notfallplan: für andere gedacht. Er enthält ein Passbild und die Personalien und erklärt in einfacher Sprache, woran man eine schwere Reaktion erkennt und was dann zu tun ist[9]. Eltern geben ihn an Kita, Schule, Freunde und Verwandte weiter. Von der Ärztin oder dem Arzt ausgefüllt, dient er zugleich als Attest[7].
Zum Notfallset gehören laut Leitlinie ein Adrenalin-Autoinjektor, ein Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat und bei Asthma oder früheren Atemproblemen ein Spray, das die Bronchien weitet[3]. Notfallplan und Anaphylaxie-Pass sollten immer dabei sein[3]. Notfall-Armbänder dagegen haben sich im deutschsprachigen Raum nicht durchgesetzt und werden im Notfall oft übersehen[3].
Gibt es den Allergiepass auch digital?
Allergien und Unverträglichkeiten lassen sich freiwillig als Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte speichern. Ob das geschieht, entscheidest du selbst[10]. Angelegt wird der Notfalldatensatz am besten in der Arztpraxis, die deine Krankengeschichte kennt, auf Wunsch mit einem Ausdruck für dich[10]. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung liegt er inzwischen auf der Gesundheitskarte und in der elektronischen Patientenakte[11].
Zwei Dinge solltest du wissen: Schickt dir die Krankenkasse eine neue Karte, ist der Notfalldatensatz darauf nicht automatisch wieder vorhanden[10]. Und selbst einsehen kannst du deine Notfalldaten nur in einer Arztpraxis oder einer anderen medizinischen Einrichtung[12].
Allergiepass im Urlaub und auf Reisen
Bei einer möglicherweise lebensbedrohlichen Allergie gehört der Allergiepass ins Reisegepäck. Wichtige medizinische Dokumente nimmst du am besten auch in der Landessprache mit, doppelt und getrennt aufbewahrt[13]. Notfallmedikamente gehören griffbereit ins Handgepäck; manche Fluggesellschaften verlangen dafür die Originalverpackung und einen Arztbrief[13].
Fürs Essen im Ausland hat der Allergieinformationsdienst Restaurantkarten in neun Sprachen herausgegeben[13]. Mehr dazu im Ratgeber Allergiekarte fürs Restaurant.
Was der Allergiepass nicht leistet: der Alltag mit anderen
Der ärztliche Allergiepass richtet sich an Ärztinnen, Ärzte und den Rettungsdienst. Wer für dich oder dein Kind kocht, braucht etwas anderes: was nicht ins Essen darf, wie stark die Reaktion ist und worauf es in der Küche ankommt. Großeltern, Gastgeber oder die Vertretung in der Kita sehen den Allergiepass meist nie.
Dafür ist der Pass auf dieser Seite gedacht. Du trägst selbst ein, was du nicht verträgst, und schickst einen Link, der immer den aktuellen Stand zeigt. Er ersetzt den Allergiepass nicht, sondern ergänzt ihn: Was darin steht, ist deine eigene Angabe und kein ärztliches Dokument. Wie die Kita mit Allergien umgeht, steht im Ratgeber Allergie in der Kita.
Häufige Fragen
Welcher Arzt stellt einen Allergiepass aus?
Die Ärztin oder der Arzt, die oder der die Allergie abgeklärt hat, nach einer schweren Reaktion meist eine allergologische Praxis[4]. Für Arzneimittelallergien empfiehlt die Leitlinie, dass nur allergologisch erfahrene Ärztinnen und Ärzte den Pass ausstellen[1].
Kann ich meinen Allergiepass selbst ausfüllen?
Nein. Laut Leitlinie dürfen Betroffene in den Allergiepass nichts selbst eintragen[1]. Auch den Anaphylaxie-Pass füllt die Ärztin oder der Arzt aus und stempelt ihn ab[8]. Selbst aufschreiben kannst du, was andere im Alltag wissen sollten.
Muss ich den Allergiepass immer dabeihaben?
Ja, das raten Fachstellen ausdrücklich[6][14]. Im Notfall sehen Ärztinnen und Ärzte so sofort, was sie dir nicht geben dürfen[14].
Was ist der Unterschied zwischen Allergiepass und Anaphylaxie-Notfallplan?
Der Allergiepass dokumentiert die Allergie für Ärztinnen und Ärzte. Der Notfallplan ist für andere gedacht, etwa Kita oder Familie, und erklärt in einfacher Sprache, woran man eine schwere Reaktion erkennt und was dann zu tun ist[9][7].
Steht meine Allergie auf der Gesundheitskarte?
Nur, wenn du einen Notfalldatensatz anlegen lässt. Das ist freiwillig und geht am besten in der Arztpraxis[10].
Quellen
- Brockow K. et al., DGAKI u. a., Allergologie select 2023: Leitlinie zur allergologischen Diagnostik von Überempfindlichkeitsreaktionen auf Arzneimittel (Guideline for allergological diagnosis of drug hypersensitivity reactions). Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Wurpts G. et al., DGAKI u. a., Allergologie select 2020: Leitlinie zur Diagnostik bei Verdacht auf Überempfindlichkeit gegen Betalaktam-Antibiotika (Guideline on diagnostic procedures for suspected hypersensitivity to beta-lactam antibiotics). Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Ring J. et al., DGAKI u. a. (AWMF-Leitlinie 061-025), Allergo Journal 2021: Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie – Update 2021. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie wird eine Anaphylaxie behandelt?. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit: Insektengiftallergie: Symptome und Behandlung. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit: Medikamentenallergie: Symptome, Diagnose und Behandlung. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Wichtige Hilfsmittel. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA): Anaphylaxie-Pass: Erste Hilfe bei schweren allergischen Reaktionen. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Anaphylaxie vorbeugen. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit: Notfalldatensatz (NFD): Wichtige Informationen im entscheidenden Moment. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Notfalldatenmanagement. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Bundesministerium für Gesundheit: Notfalldaten. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Reisen mit Allergien: Tipps & Infos zur guten Vorbereitung. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Kann man einer Arzneimittelallergie vorbeugen?. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
Von Daan Bachmann. Veröffentlicht am 19. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet. So entstehen unsere Texte.