Allergiekarte fürs Restaurant: sicher essen gehen mit Allergie

Im Restaurant weißt du nicht, was in der Küche passiert. Deshalb kommt es darauf an, dass deine Allergie dort ankommt, wo gekocht wird. Schriftliche Angaben, die das Personal mit in die Küche nehmen kann, sind dafür laut Allergieinformationsdienst ein guter Weg[6].
Hier steht, was ein Restaurant über Allergene sagen muss und was nicht, wie du am besten Bescheid gibst, was auf eine Allergiekarte gehört und was auf Reisen dazukommt. Eine Karte auf Deutsch und Englisch zum Ausdrucken findest du weiter unten.
Was muss ein Restaurant über Allergene sagen?
Restaurants zählen im EU-Recht zu den Anbietern von Gemeinschaftsverpflegung[2]. Für Speisen, die nicht vorverpackt sind, ist dort nur die Allergeninformation Pflicht, kein vollständiges Zutatenverzeichnis[2]. Angegeben werden müssen die 14 Hauptallergene, wenn sie bei der Zubereitung verwendet werden[2][3]: glutenhaltiges Getreide, Krebstiere, Eier, Fisch, Erdnüsse, Soja, Milch, Schalenfrüchte, Sellerie, Senf, Sesam, Schwefeldioxid und Sulfite, Lupinen und Weichtiere.
Wie das Restaurant informiert, regelt in Deutschland die Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung[3]:
- Schriftlich: auf der Speise- oder Getränkekarte, auch als Fußnote, auf die beim Gericht deutlich hingewiesen wird, auf einem Schild, einem Aushang oder elektronisch. Du musst die Angaben sehen können, bevor du bestellst[1].
- Mündlich: durch Personal, das auf Nachfrage sofort Auskunft gibt. Dann muss es eine schriftliche oder elektronische Aufzeichnung geben, die du auf Nachfrage einsehen kannst, und ein gut sichtbarer Hinweis muss darauf aufmerksam machen[1].
Liegt die Allergeninformation nicht aus, frag das Personal und lass dir den Ordner oder die Karte mit den Angaben zeigen[5].
Was deckt die Pflicht nicht ab?
Andere Auslöser muss das Restaurant nicht angeben, denn Pflicht sind nur die 14 Hauptallergene[1][2]. Wer zum Beispiel auf Kiwi, Karotten oder Hülsenfrüchte wie Erbsen reagiert, muss selbst nachfragen.
Auch Spuren sind nicht geregelt. Die Pflicht betrifft nur Zutaten, die absichtlich verwendet werden; ein Hinweis auf Spuren oder Verunreinigungen ist freiwillig[4]. Ein Spurenhinweis heißt weder, dass das Allergen enthalten ist, noch dass es nur wenig wäre, und ein fehlender Hinweis ist keine Sicherheit[12].
Wie sage ich im Restaurant Bescheid?
Je früher die Küche Bescheid weiß, desto besser:
- Vorher anrufen: Sieh dir die Speisekarte vorab an und ruf an, am besten zu einer ruhigen Zeit und mit der Leitung[8][10].
- Mit den Richtigen sprechen: Wer die Bestellung aufnimmt, ist nicht immer die beste Ansprechperson. Frag nach der Leitung oder der Küche[10].
- Allergie und Schweregrad nennen: und nachfragen, wie das Gericht zubereitet wird[10][17].
- Karte mitgeben: Gib deine Allergiekarte dem Service und bitte darum, sie an die Küche weiterzureichen[8].
- Beim Servieren nachfragen: ob es wirklich das Gericht ist, das für dich zubereitet wurde[10].
Dasselbe Lokal und dasselbe Gericht sind übrigens keine Garantie: Rezepte und Köche wechseln[10].
Worauf achte ich bei der Bestellung?
Heikel sind Gerichte aus der Fritteuse oder vom Grill, wenn dort auch etwas mit deinem Allergen zubereitet wird. Frag nach, ob für alles dieselbe Fritteuse benutzt wird[8][10]. Bei Zöliakie bittet die Karte der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft um eine vollständig glutenfreie Zubereitung, ohne Krümel, Mehlstaub oder Küchengeräte, die mit Gluten in Berührung waren[11].
Einfache Gerichte sind leichter sicher zuzubereiten, bei Desserts ist Vorsicht angebracht[8]. Ein höheres Risiko haben Buffets, Bäckereien mit unverpackter Ware, Lokale mit vorgefertigten Speisen und Küchen, in denen dein Allergen in vielen Gerichten steckt[8].
Wirkt das Personal unsicher oder versteht es die Allergie nicht, iss lieber woanders[8][10].
Was gehört auf eine Allergiekarte?
Eine Allergiekarte, englisch Chef Card, ist eine kleine Karte im Brieftaschenformat. Sie nennt deine Allergene und bittet die Küche, dein Essen ohne Kreuzkontakt zuzubereiten[8]. Dazu gehört die Bitte, Utensilien, Geräte und Arbeitsflächen vorher gründlich zu reinigen[18]. Mach mehrere Kopien, falls eine im Restaurant bleibt[18].
Kostenlose Vorlagen gibt es mehrere:
- vom Allergieinformationsdienst in neun Sprachen, zum Ausfüllen, Falten und Mitnehmen im Geldbeutel[19][7]
- von der US-Organisation FARE in mehreren Sprachen, auch auf Deutsch[9]
- für Zöliakie die Karte „Bitte an die Küche“ der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft[11]
- das Allergiewörterbuch des Europäischen Verbraucherzentrums mit Vokabeln in 22 Sprachen, um eine eigene Karte zu schreiben[15]
Die Karte unten kannst du direkt ausdrucken und von Hand ausfüllen.
Allergiekarte
Ich habe eine Allergie gegen:
Schon kleine Mengen können bei mir eine schwere Reaktion auslösen.
Bitte achten Sie darauf, dass mein Essen nichts davon enthält, auch nicht in Saucen, Brühe, Gewürzmischungen oder im Frittierfett, und dass es mit frisch gereinigten Utensilien und Flächen zubereitet wird.
Wenn Sie unsicher sind, sagen Sie es mir bitte. Vielen Dank!
Allergy card
I am allergic to:
Even small amounts can cause a severe reaction.
Please make sure my food contains none of these, including sauces, stock, spice mixes or frying oil, and that it is prepared with freshly cleaned utensils and surfaces.
If you are not sure, please tell me. Thank you!
Ausdrucken, ausfüllen, an der Linie falten. Am besten gleich mehrere, falls eine im Restaurant bleibt. Trag die Allergene so ein, wie sie auf Zutatenlisten heißen.
Allergiekarte im Urlaub und im Flugzeug
Informiere vor der Reise Fluggesellschaft, Reiseveranstalter und Hotel über deine Allergie und nimm Restaurantkarten in der Landessprache mit[7]. Außerhalb der EU sind Allergene nicht verlässlich gekennzeichnet; wichtige Begriffe wie Allergie und schwere allergische Reaktion solltest du in der Landessprache dabeihaben[7][12]. Auf Flügen ab der EU gelten die EU-Regeln zur Allergeninformation, auf Flügen ab einem Land außerhalb der EU nicht, auch bei deutschen Fluggesellschaften[13].
Notfallmedikamente gehören griffbereit ins Handgepäck; manche Fluggesellschaften verlangen die Originalverpackung und einen Arztbrief[7]. Wer mit dem Risiko einer schweren Reaktion fliegt, sollte laut einer Übersichtsarbeit zwei Adrenalin-Autoinjektoren am Körper tragen und nicht im aufgegebenen Gepäck, und zu Beginn den Sitzbereich mit Reinigungstüchern abwischen[14]. Was sonst auf Reisen hilft, steht im Ratgeber Allergiepass.
Was tun, wenn es im Restaurant doch zu einer Reaktion kommt?
Hab deine Notfallmedikamente und den Notfallplan immer dabei, bei verordneten Autoinjektoren zwei, und prüf das Verfallsdatum. Mindestens eine Begleitperson sollte wissen, was zu tun ist[8][10]. Kommt es zu einer Reaktion, folg deinem Notfallplan und geh nicht allein nach draußen oder auf die Toilette[10].
Bei einer schweren Reaktion gilt: zuerst Adrenalin, dann den Notruf 112 mit dem Stichwort „schwere allergische Reaktion“[16].
Häufige Fragen
Muss ein Restaurant Allergene angeben?
Ja, die 14 Hauptallergene, die im Gericht stecken[2]. Das geht schriftlich, etwa auf der Speisekarte, oder mündlich, wenn es eine schriftliche Aufzeichnung gibt, die du einsehen kannst[1].
Muss das Restaurant auch Spuren angeben?
Nein. Hinweise auf Spuren sind freiwillig und rechtlich nicht geregelt[4]. Frag deshalb nach, wie in der Küche gearbeitet wird.
Gibt es eine Allergiekarte auf Deutsch und Englisch?
Ja, die Vorlage auf dieser Seite hat eine deutsche und eine englische Seite. Der Allergieinformationsdienst bietet außerdem Restaurantkarten in neun Sprachen an[19].
Quellen
- Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de: § 4 LMIDV: Besondere Vorschriften für die Kennzeichnung von nicht vorverpackten Lebensmitteln. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Europäische Union, EUR-Lex: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (LMIV), Art. 2, 9, 36, 44 und Anhang II. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH): Allergenkennzeichnung ist Pflicht. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Lebensmittelklarheit, Verbraucherzentrale Bundesverband: Allergenkennzeichnung bei Lebensmitteln: Diese Angaben sind Pflicht. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Beim Einkauf und Außer-Haus. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Allergieinformationsdienst stellt Restaurantkarten zur Verfügung. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Reisen mit Allergien: Tipps & Infos zur guten Vorbereitung. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Food Allergy Research & Education (FARE), USA: Safely Dining Out with Food Allergies. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Food Allergy Research & Education (FARE), USA: Food Allergy Chef Cards. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Children and Young People's Allergy Network Scotland (CYANS), NHS Scotland: Eating Out. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG): Bitte an die Küche (Stand 2026). Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Was hilft bei einer Nahrungsmittelallergie?. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Lebensmittelklarheit, Verbraucherzentrale Bundesverband: Allergenkennzeichnung im Flugzeug. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Turner P. J. et al., Archives of Disease in Childhood 2024 (PubMed Central): Flying with nut and other food allergies: unravelling fact from fiction. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland: Allergiewörterbuch (Stand 2012). Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie wird eine Anaphylaxie behandelt?. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Anaphylaxis UK: Top Tips for Eating Out. Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Food Allergy Research & Education (FARE), USA: Chef Card Template (German). Abgerufen am 19. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Allergie-Restaurantkarten für Menschen mit Nahrungsmittelallergie auf Reisen (Downloads). Abgerufen am 19. Oktober 2026.
Von Daan Bachmann. Veröffentlicht am 19. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet. So entstehen unsere Texte.