Wissen · Hauptallergene nach LMIV

Sulfitunverträglichkeit: Sulfite in Wein, Trockenobst und Co.

Nahaufnahme getrockneter, leuchtend gelber Aprikosen
Foto: engin akyurt · Unsplash

Eine Sulfitunverträglichkeit ist eine Überempfindlichkeit gegen Schwefeldioxid und Sulfite, die als Konservierungsstoffe E220 bis E228 in Wein, Trockenobst, Kartoffelprodukten und vielen anderen Lebensmitteln stecken23. Umgangssprachlich heißt sie oft Sulfitallergie, ist aber keine echte Allergie: Die Beschwerden ähneln einer Allergie, entstehen aber auf anderem Weg24.

Besonders häufig betroffen sind Menschen mit Asthma23. In der EU müssen Sulfite gekennzeichnet werden, sobald ein verzehrfertiges Lebensmittel mehr als 10 mg je Kilogramm oder Liter enthält1. Hier erfährst du, was das im Alltag und in der Küche bedeutet.

Ist eine Sulfitallergie eine echte Allergie?

Nein. Sulfite lösen keine echte allergische Reaktion aus, können bei empfindlichen Menschen aber allergieähnliche Beschwerden verursachen. Deshalb werden sie wie die Hauptallergene behandelt und gekennzeichnet2.

Fachleute sprechen von einer Pseudoallergie oder Intoleranzreaktion4. Die wichtigsten Unterschiede zur Allergie:

  • Es werden keine IgE-Antikörper gebildet, eine vorherige Sensibilisierung ist nicht nötig4.
  • Eine Reaktion ist deshalb schon beim ersten Kontakt möglich4.
  • Ob Beschwerden auftreten, hängt von der aufgenommenen Menge ab. Die Schwelle ist von Mensch zu Mensch verschieden4.

Wie die Unverträglichkeit genau zustande kommt, ist bisher nicht eindeutig geklärt3.

Welche Symptome hat eine Sulfitunverträglichkeit?

Die Beschwerden reichen von Hautrötung bis zu Atemnot. Health Canada nennt als häufige Symptome2:

  • Hitzegefühl und Rötung (Flush), schneller Herzschlag
  • pfeifende Atmung, Engegefühl in der Brust, Husten
  • Nesselsucht
  • Kribbeln, Schluckbeschwerden
  • Schwindel, Magenbeschwerden, Durchfall
  • in schweren Fällen Kreislaufzusammenbruch

Eine Anaphylaxie durch Sulfite ist sehr selten2. Atembeschwerden nach Wein, Trockenobst oder einem Essen mit viel Konservierungsstoff sollten trotzdem ärztlich abgeklärt werden.

Sind Menschen mit Asthma häufiger von einer Sulfitunverträglichkeit betroffen?

Ja. Asthmatikerinnen und Asthmatiker sind besonders gefährdet, man spricht dann auch von Sulfit-Asthma3.

Health Canada schätzt, dass etwa 5 bis 10 Prozent der Menschen mit Asthma auf Sulfite reagieren, typischerweise mit pfeifender Atmung, Engegefühl in der Brust und Husten2. Reaktionen kommen aber auch bei Menschen ohne Asthma vor2.

Wer Asthma hat und nach Wein oder Trockenobst schlechter Luft bekommt, sollte das in der nächsten ärztlichen Sprechstunde ansprechen.

In welchen Lebensmitteln sind Sulfite?

Sulfite kommen in manchen Lebensmitteln natürlich vor und werden außerdem als Konservierungsstoffe zugesetzt, etwa um die Farbe zu erhalten und die Haltbarkeit zu verlängern2. Typische Quellen sind23:

  • Wein, Bier und Cider
  • Trockenobst
  • Kartoffelprodukte, etwa Kartoffeln im Glas oder tiefgekühlte Pommes
  • Zitronen- und Limettensaft aus der Flasche
  • Obst und Gemüse aus Dose oder Tiefkühlung
  • Essig, Marmelade, Sirup und Würzsaucen
  • getrocknete Kräuter und Gewürze

So erkennst du Sulfite auf dem Etikett

In der Zutatenliste stehen Sulfite als Schwefeldioxid, als einzelner Stoff wie Natriummetabisulfit oder als E-Nummer von E220 bis E2282. Kennzeichnungspflichtig sind sie, wenn das verzehrfertige Lebensmittel mehr als 10 mg je Kilogramm oder 10 mg je Liter enthält, gerechnet als Schwefeldioxid1. Dann müssen sie wie alle Hauptallergene hervorgehoben werden1.

Hat ein Produkt kein Zutatenverzeichnis, etwa Wein, steht stattdessen „Enthält“ mit der Bezeichnung, zum Beispiel „enthält Sulfite“1. Unterhalb von 10 mg gibt es keine Pflicht. Kleine Mengen können also auch in Produkten ohne Hinweis stecken15.

Worauf muss ich achten, wenn ich für jemanden mit Sulfitunverträglichkeit koche?

Frisch kochen ist der einfachste Weg, denn Sulfite werden vor allem zum Haltbarmachen zugesetzt2. Weil es auf die Menge ankommt, frag ruhig nach, wie empfindlich die Person ist4.

  • Zum Ablöschen Brühe oder Wasser statt Wein nehmen, auch bei Risotto und Saucen.
  • Frische Zitronen statt Zitronensaft aus der Flasche verwenden2.
  • Kartoffeln frisch kochen statt Produkte aus dem Glas oder Fertig-Pommes23.
  • Trockenobst nur mit dem Hinweis „ungeschwefelt“ kaufen3. Geschwefelte Aprikosen bleiben leuchtend orange, ungeschwefelte werden dunkler.
  • Frische Kräuter statt getrockneter nehmen, Essig und Würzsaucen auf dem Etikett prüfen2.
  • Für Gäste alkoholfreie Getränke ohne Konservierungsstoffe bereithalten.

Auch im Restaurant und an der Theke muss über Sulfite oberhalb der Grenze informiert werden, schriftlich oder mündlich mit schriftlicher Dokumentation5. Frag gezielt nach Wein in Saucen und nach Trockenobst in Desserts.

Wie wird eine Sulfitunverträglichkeit festgestellt?

Hauttests und Bluttests helfen bei einer Sulfitunverträglichkeit in der Regel nicht weiter, einen Allergietest auf Sulfite gibt es nicht24. Ärztinnen und Ärzte setzen stattdessen auf eine zusatzstofffreie Ernährung über einen begrenzten Zeitraum und gegebenenfalls auf einen Provokationstest4. Beides sollte nur unter ärztlicher Anleitung beziehungsweise Aufsicht stattfinden4.

Wer bei Wein reagiert, sollte auch an andere Ursachen denken. Bei manchen nicht-allergischen Unverträglichkeiten spielt etwa Histamin eine Rolle4.

Wann ist es ein Notfall?

Bei Atemnot, Heiserkeit, Bewusstseinsstörung oder Beschwerden an zwei Organsystemen gleichzeitig sofort den Notruf 112 wählen6. Wurde ein Adrenalin-Autoinjektor verordnet, gehört er immer dabei und wird bei schweren Beschwerden eingesetzt26.

Häufige Fragen

Ab welcher Menge müssen Sulfite gekennzeichnet werden?

Ab mehr als 10 mg je Kilogramm oder 10 mg je Liter, gerechnet als Schwefeldioxid im verzehrfertigen Lebensmittel1.

Was bedeutet „ungeschwefelt“?

Das Produkt, meist Trockenobst, wurde ohne Schwefeldioxid haltbar gemacht. Der DAAB empfiehlt Menschen mit Sulfitunverträglichkeit, auf diesen Hinweis zu achten3.

Können Medikamente Sulfite enthalten?

Ja, Sulfite werden auch eingesetzt, um die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel zu erhalten2. Sag deshalb in Praxis und Apotheke, dass du Sulfite nicht verträgst.

Ist eine Sulfitunverträglichkeit gefährlich?

Sie kann es sein, vor allem bei Asthma: Sulfite können dann Atemnot auslösen. Eine Anaphylaxie durch Sulfite ist dagegen sehr selten23.

So steht es im Pass

Steht im Pass unter „In der Küche wichtig“ und in der Kurzfassung bei „Nicht essen“. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:

  • leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
  • mitteldeutliche Reaktion
  • schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
  • anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei

Quellen

  1. EUR-Lex, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (LMIV), konsolidierte Fassung, Art. 21 und Anhang II Nr. 12. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. Health Canada: Sulphites – Priority allergens. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Auslöser von A-Z. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Pseudoallergien. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. Verbraucherzentrale, lebensmittelklarheit.de: Allergenkennzeichnung bei Lebensmitteln: Diese Angaben sind Pflicht. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie wird eine Anaphylaxie behandelt?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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