Duftstoffallergie: Symptome, neue EU-Kennzeichnung und duftfreier Alltag

Eine Duftstoffallergie ist eine Kontaktallergie gegen Riechstoffe aus Parfüm, Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmitteln. Die Haut reagiert verzögert mit einem juckenden Ekzem38. Nach Nickel sind Duftstoffe der häufigste Auslöser von Kontaktallergien4. Der Allergieinformationsdienst schätzt, dass ein bis drei Prozent der Bevölkerung betroffen sind2; die EU-Kommission geht für die Union von 1 bis 9 Prozent aus1.
Für Betroffene ist 2026 ein wichtiges Jahr: Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 müssen auf Kosmetik 56 weitere allergieauslösende Duftstoffe einzeln genannt werden. Für neu in Verkehr gebrachte Produkte gilt das seit August 2026, ältere Ware darf noch bis Ende Juli 2028 verkauft werden1.
Was ist eine Duftstoffallergie?
Bei einer Duftstoffallergie hat sich das Immunsystem gegen bestimmte Riechstoffe sensibilisiert. Diese veränderte Reaktionsbereitschaft bleibt lebenslang bestehen13. Wer einmal sensibilisiert ist, reagiert schon auf deutlich geringere Mengen als bei der Sensibilisierung1.
- Allergien sind sowohl gegen natürliche, etwa pflanzliche, als auch gegen künstlich hergestellte Duftstoffe möglich3. Ätherische Öle sind also nicht automatisch verträglicher.
- Manche Duftstoffe werden erst durch Luftsauerstoff oder im Körper zu stärkeren Allergenen umgewandelt. Die EU behandelt solche Vorstufen deshalb wie die Allergene selbst1.
- Duftstoffe stecken nicht nur in Parfüm und Kosmetik, sondern auch in Reinigungsmitteln, Waschmitteln und Weichspülern13.
Welche Symptome hat eine Duftstoffallergie?
Typisch ist ein Ekzem: gerötete Haut, oft mit Bläschen und Juckreiz, meist dort, wo das Produkt aufgetragen wurde8 — bei Parfüm also etwa am Hals, bei Deodorant in den Achseln.
- Die Reaktion kommt verzögert, 12 bis 72 Stunden nach dem Kontakt3. Das macht es schwer, den Auslöser selbst zu erkennen.
- Es können Streuherde an anderen Stellen entstehen8. Bei anhaltendem Kontakt wird die Haut schuppig, rissig und verdickt8.
- Auch der Mund kann betroffen sein: Schwedische Forscherinnen fanden den Minz-Duftstoff L-Carvon in 64 von 66 Zahncremes3.
Wird der Auslöser konsequent gemieden, heilt das Ekzem in der Regel ab8.
Welche Duftstoffe müssen gekennzeichnet werden?
Auf Kosmetik stehen Riechstoffe in der Zutatenliste meist nur als Sammelbegriff „Parfum“ oder „Aroma“. Allergieauslösende Duftstoffe müssen aber einzeln genannt werden, wenn sie in Produkten, die auf Haut oder Haar bleiben, mehr als 0,001 Prozent ausmachen, in abzuspülenden Produkten mehr als 0,01 Prozent1.
Was die Verordnung (EU) 2023/1545 ändert
- Bisher: 24 einzeln zu kennzeichnende Duftstoffe1. Ursprünglich waren es 26, die seit 2003 genannt werden müssen4.
- Neu: 56 weitere Duftstoffe, die beim Menschen nachweislich Allergien ausgelöst haben, kommen hinzu1.
- Fristen: Produkte, die die neuen Regeln nicht erfüllen, durften nur bis zum 31. Juli 2026 erstmals in Verkehr gebracht werden. Bereits ausgelieferte Ware darf noch bis zum 31. Juli 2028 im Handel sein1.
Praktisch heißt das: Bis Mitte 2028 kann im Regal noch Ware nach den alten Regeln stehen. Fehlt ein neu gelisteter Duftstoff auf der Packung, ist das bis dahin kein sicherer Beleg, dass er nicht enthalten ist.
Wasch- und Reinigungsmittel
Auch hier gilt eine eigene Regel: Duftstoffe müssen angegeben werden, allergene Duftstoffe ab 0,01 Gewichtsprozent mit ihrem Namen5.
Wie wird eine Duftstoffallergie festgestellt?
Mit dem Epikutantest: Testsubstanzen werden mit Pflastern auf den Rücken geklebt und nach 24 bis 48 Stunden sowie ein bis zwei Tage später abgelesen6. Dabei kommen Duftstoff-Mischungen zum Einsatz, der Duftstoff-Mix I und II2. In den Daten des Informationsverbunds Dermatologischer Kliniken (IVDK) reagierten 2005 bis 2008 6,6 Prozent der Getesteten auf den Mix I und 4,6 Prozent auf den Mix II9.
Diese Mischungen erfassen nicht alles. In einer dänischen Studie mit mehr als 6000 Getesteten reagierten 15,7 Prozent auf mindestens einen der 26 kennzeichnungspflichtigen Duftstoffe, am häufigsten auf Stoffe, die in keinem der beiden Mixe stecken2. Deshalb lohnt es sich, eigene verdächtige Produkte zum Termin mitzubringen6.
Was hilft bei einer Duftstoffallergie?
Eine Hyposensibilisierung gegen Kontaktallergene gibt es nicht. Entscheidend ist, die auslösenden Stoffe zu meiden7. Das Ekzem selbst lässt sich mit sorgfältiger Hautpflege, kühlenden Umschlägen und kortisonhaltigen Cremes nach ärztlicher Verordnung gut behandeln7.
- Lies die Zutatenliste (INCI) und lass dir den Namen deines Allergens aufschreiben, so wie er auf Verpackungen steht.
- Achte auch auf Produkte, die nicht wie Kosmetik wirken: Zahnpasta, Lippenpflege, Spülmittel, Weichspüler.
- Im Alltag kommen Duftstoffe auch aus der Luft: In einer Umfrage des Deutschen Allergie- und Asthmabundes beduftete fast jede vierte öffentliche Einrichtung ihre Räume, mehr als die Hälfte davon ohne Hinweis2.
Verwandte Kontaktallergien sind Nickel, Konservierungsstoffe und Perubalsam.
Gast mit Duftstoffallergie: Was können Gastgeber vorbereiten?
Am meisten hilft eine möglichst duftfreie Umgebung im Bad und im Gästezimmer.
- Duftkerzen, Raumsprays und Duftstäbchen weglassen.
- Bettwäsche und Handtücher ohne Weichspüler waschen; am besten fragst du, welches Waschmittel dein Gast verträgt.
- Unparfümierte Seife hinstellen oder den Gast seine eigenen Produkte mitbringen lassen.
- Mit duftenden Reinigungsmitteln am Vortag putzen und gut lüften.
- In Kita und Pflege nur die Cremes und Pflegeprodukte verwenden, die die Familie mitgibt oder freigibt.
Beim Kochen musst du in der Regel nichts Besonderes beachten. Reagiert dein Gast auch auf bestimmte Gewürze, sagt er es dir am besten selbst.
Häufige Fragen
Wie viele Duftstoffe sind kennzeichnungspflichtig?
Bisher 24 allergieauslösende Duftstoffe, mit der Verordnung (EU) 2023/1545 kommen 56 weitere hinzu1. Die neuen Angaben finden sich auf Produkten, die seit August 2026 neu in Verkehr gebracht werden1.
Sind natürliche Duftstoffe und ätherische Öle verträglicher?
Nicht unbedingt. Kontaktallergien sind gegen natürliche wie gegen künstlich hergestellte Duftstoffe möglich3.
Geht eine Duftstoffallergie wieder weg?
Nein, die Sensibilisierung bleibt lebenslang13. Das Ekzem heilt aber meist ab, wenn du den Auslöser konsequent meidest8.
Muss auch Waschmittel Duftstoffe angeben?
Ja. Duftstoffe müssen auf Wasch- und Reinigungsmitteln angegeben werden, allergene Duftstoffe ab 0,01 Gewichtsprozent mit ihrem Namen5.
So steht es im Pass
Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:
- leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
- mitteldeutliche Reaktion
- schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
- anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei
Quellen
- Europäische Kommission, EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/1545 der Kommission zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich der Kennzeichnung allergieauslösender Duftstoffe in kosmetischen Mitteln. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie oft kommen Kontaktallergien vor?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Was ist eine Kontaktallergie?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Lässt sich eine Kontaktallergie vermeiden?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Europäisches Parlament und Rat, EUR-Lex: Verordnung (EG) Nr. 648/2004 über Detergenzien (konsolidierte Fassung), Anhang VII. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Kontaktallergie erkennen – die Diagnose. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Kontaktallergie behandeln – was hilft?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Welche Symptome verursacht eine Kontaktallergie?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- GD Gesellschaft für Dermopharmazie e. V.: Kontaktallergien auf Kosmetika – Welche Inhaltsstoffe sind diesbezüglich problematisch? (Medienmitteilung, 4. April 2011). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.