PPD-Allergie: Haarfarbe, schwarzes Henna und Kreuzreaktionen

Eine PPD-Allergie ist eine Kontaktallergie gegen p-Phenylendiamin. PPD ist das wichtigste Allergen in Haarfärbemitteln1 und steckt vor allem in dauerhaften Haarfarben, aber auch in dunklen Textilfarben und in schwarzen Henna-Tattoos2. Bei Henna-Tattoos ist meist nicht der Naturstoff Henna das Problem, sondern zugesetztes PPD1.
Die Reaktion kann heftig ausfallen, mit Schwellungen an Kopfhaut, Gesicht und Augenlidern2. Wer betroffen ist, sollte Oxidationshaarfarben meiden und Friseursalon, Hautärztin und Zahnarzt informieren2.
Was ist eine PPD-Allergie?
Eine allergische Reaktion vom Spättyp: Die Haut reagiert erst 12 bis 72 Stunden nach dem Kontakt1. Nach dem Haarefärben zeigt sich das oft erst am nächsten oder übernächsten Tag.
Typisch sind Schwellung, Juckreiz und trockene Haut an den Stellen, die mit der Farbe in Kontakt kamen4. Bei starken Reaktionen kommen Bläschen und deutliche Schwellungen an Augenlidern, Kopfhaut, Gesicht und Hals hinzu2. Selten wurden auch Reaktionen im ganzen Körper wie Asthma oder Anaphylaxie beschrieben2.
Wo steckt PPD drin?
Vor allem in dauerhaften Haarfarben. Weitere mögliche Quellen nennt die Dermatologie-Plattform DermNet2:
- Oxidationshaarfarben (permanente Haarfarben)
- Textil- und Pelzfarben
- dunkle Kosmetik
- schwarze Henna-Tattoos
- Fotoentwickler, Druckfarben, schwarzer Gummi
Beruflich besonders exponiert sind Menschen, die mit chemischen Haarfärbemitteln arbeiten, etwa im Friseurhandwerk4.
Warum ist schwarzes Henna riskant?
Weil schwarzem Henna oft PPD zugesetzt wird. Problematisch ist dabei vor allem dieser Zusatzstoff, nicht der Naturstoff Henna1.
Ein solches Tattoo kann eine PPD-Allergie auslösen, die später beim Haarefärben zum Problem wird. Die EU schreibt deshalb auf Haar- und Wimpernfärbemitteln mit solchen Farbstoffen Warnhinweise vor, unter anderem3:
- „Dieses Produkt kann schwere allergische Reaktionen hervorrufen.“
- „Dieses Produkt ist nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt.“
- „Temporäre Tätowierungen mit „schwarzem Henna“ können das Allergierisiko erhöhen.“
DermNet rät Menschen mit PPD-Allergie, schwarze Henna-Tattoos zu meiden2. Das gilt besonders im Urlaub, wo solche Tattoos oft angeboten werden.
Welche Kreuzreaktionen gibt es bei einer PPD-Allergie?
PPD gehört zu den sogenannten Para-Verbindungen. Wer darauf reagiert, kann auch auf chemisch ähnliche Stoffe reagieren2:
- Azofarbstoffe in Textilien, Stiften und halbpermanenten Haartönungen
- PABA-haltige Sonnenschutzmittel
- Lokalanästhetika vom Ester-Typ wie Benzocain und Procain, siehe Lokalanästhetika
- Sulfonamide und verwandte Arzneistoffe
Kreuzreaktionen sind möglich, aber keine Regel. In einer britischen Studie, über die die Pharmazeutische Zeitung berichtete, reagierten von 100 PPD-Allergikern 14 auch auf eine Mischung aus Benzocain, Tetracain und Dibucain6. Die früher angenommene höhere Rate ließ sich nicht bestätigen6.
Kann ich mir trotz PPD-Allergie die Haare färben?
Mit Oxidationshaarfarben nicht. Menschen mit nachgewiesener PPD-Allergie sollen diese Art von Haarfarben meiden2. Alternativen gibt es, aber jede hat Grenzen2:
- Pflanzen- und Metallsalz-Tönungen färben nicht dauerhaft.
- Halbpermanente Tönungen vertragen viele, aber etwa 10 Prozent der PPD-Allergiker reagieren auch darauf.
- Farben mit Toluylendiaminsulfat statt PPD verträgt etwa die Hälfte der Betroffenen.
Vor jeder Alternative empfiehlt DermNet einen Epikutantest2. Besprich das am besten mit deiner Hautärztin oder deinem Hautarzt. Eine PPD-gefärbte Perücke oder Pelz vertragen die meisten Betroffenen2.
Wie wird eine PPD-Allergie festgestellt?
Mit dem Epikutantest in der Hautarztpraxis. Die Testsubstanzen werden mit Pflastern auf den Rücken geklebt und nach 24 bis 48 Stunden sowie ein bis zwei Tage später abgelesen7.
PPD gehört zur Standardreihe der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe, getestet in einer Konzentration von 0,3 Prozent5. Bei Menschen mit deutlicher Vorgeschichte wird bewusst niedrig dosiert, um eine heftige Testreaktion zu vermeiden. Der Test selbst kann in seltenen Fällen eine Sensibilisierung auslösen2.
Was sollten Friseursalon und Arztpraxis wissen?
Dass eine PPD-Allergie besteht und welche Produkte vertragen wurden.
Im Friseursalon
Betroffene sollten ihre Allergie vor jeder Farbbehandlung nennen2. Für das Salonteam heißt das: keine Oxidationshaarfarbe, keine Tönung ohne vorherige ärztliche Abklärung und gründlich auf die Zutatenliste schauen.
In Arzt- und Zahnarztpraxis
Wegen möglicher Kreuzreaktionen gehört die PPD-Allergie auch in die Anamnese: etwa vor einer Betäubung mit Ester-Lokalanästhetika oder vor einer Behandlung mit Sulfonamiden2. Ein Ekzem wird meist mit kortisonhaltigen Cremes behandelt, das entscheidet die Ärztin oder der Arzt4.
Häufige Fragen
Ist natürliches Henna auch gefährlich?
Bei Henna-Tattoos ist meist das zugesetzte PPD das Problem, nicht der Naturstoff Henna1. Bei sogenanntem schwarzem Henna ist deshalb Vorsicht geboten2.
Ab welchem Alter darf man Haare färben?
Auf Oxidationshaarfarben muss in der EU stehen, dass das Produkt nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt ist3.
Kann ein Allergietest selbst eine PPD-Allergie auslösen?
Selten ja. Deshalb wird nicht ohne Grund getestet, und bei deutlicher Vorgeschichte mit niedriger Konzentration2.
So steht es im Pass
Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:
- leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
- mitteldeutliche Reaktion
- schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
- anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei
Quellen
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Kontaktallergie – Was ist das?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- DermNet (Ngan, Gomez), überprüft 2018: Allergy to paraphenylenediamine. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Amtsblatt der Europäischen Union, EUR-Lex: Verordnung (EU) Nr. 1197/2013 zur Änderung des Anhangs III der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit: Kontaktallergie. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Deutsche Kontaktallergie-Gruppe (DKG) in der DDG: Testreihen der DKG. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Pharmazeutische Zeitung 46/1999 (E. Wolf): Benzocain-Allergie nur heiße Luft?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Kontaktallergie erkennen – die Diagnose. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.