Allergie gegen Konservierungsstoffe: MI/MCI, Parabene und wo sie stecken

Eine Allergie gegen Konservierungsstoffe ist eine Kontaktallergie: Die Haut reagiert mit einem juckenden, geröteten Ekzem, meist erst 12 bis 72 Stunden nach dem Kontakt1. Konservierungsstoffe schützen Kosmetik, Reinigungsmittel und Farben vor Keimen, und einige von ihnen gehören zu den häufigen Kontaktallergenen16.
Im Mittelpunkt stehen die Isothiazolinone Methylisothiazolinon (MI) und Methylchloroisothiazolinon (MCI): Fachleute in ganz Europa haben einen starken Anstieg der Allergien gegen sie beobachtet1. Die EU hat sie in Kosmetik deshalb schrittweise stark eingeschränkt234. Parabene haben dagegen einen schlechteren Ruf, als es ihr Allergierisiko rechtfertigt: Sie lösen nur selten Kontaktallergien aus67.
Was ist eine Allergie gegen Konservierungsstoffe?
Wie bei jeder Kontaktallergie sensibilisiert sich das Immunsystem zunächst gegen einen Stoff; bei späterem Hautkontakt entzündet sich die Haut. Die Sensibilisierung bleibt lebenslang bestehen1.
In Kosmetik dürfen in der EU nur Konservierungsstoffe verwendet werden, die in Anhang V der Kosmetikverordnung gelistet sind. Deshalb stecken oft dieselben Stoffe in sehr vielen Produkten, was das Meiden schwierig macht1. Als Kontaktallergene bekannt sind vor allem6:
- Isothiazolinone (MCI/MI),
- Formaldehyd und sogenannte Formaldehydabspalter,
- Parabene,
- weitere Stoffe wie Iodpropinylbutylcarbamat (IPBC).
Daten des Informationsverbunds Dermatologischer Kliniken (IVDK) zeigen, wie unterschiedlich häufig sie sind: Von getesteten Patientinnen und Patienten reagierten 1996 bis 2007 2,24 Prozent auf MCI/MI, 1,67 Prozent auf Formaldehyd und 1,39 Prozent auf die Paraben-Testmischung6.
Welche Symptome hat eine Allergie gegen Konservierungsstoffe?
Typisch ist ein Ekzem: Die Haut rötet sich, bildet Bläschen und juckt oder brennt1. Weil die Reaktion erst nach 12 bis 72 Stunden auftritt, ist der Zusammenhang mit einer Creme, einem Duschgel oder dem Putzen oft schwer zu erkennen1.
Betroffen sind meist die Stellen, die mit dem Produkt in Kontakt kamen, bei Reinigungsmitteln oft die Hände, bei Kosmetik das Gesicht. Manche Kontaktallergene gelangen auch über die Luft auf frei liegende Haut1.
Nicht jede gereizte Haut ist allergisch: Wasser, Seifen und Reinigungsmittel können die Haut auch ohne Allergie reizen1. Klarheit bringt nur ein Test.
Wo steckt Methylisothiazolinon (MI/MCI) heute noch?
In Kosmetik ist MI inzwischen stark eingeschränkt, außerhalb der Kosmetik aber weiter verbreitet. MCI/MI kommen in Reinigungsmitteln, Wandfarben, Lacken, Klebstoffen und Kühlflüssigkeiten vor1. Ein Schweizer Forschungsteam fand Isothiazolinone 2017 in 42,9 Prozent der untersuchten Reinigungsmittel1.
Was in Kosmetik gilt
- Seit 2015/2016: Das Gemisch MCI/MI ist nur noch in abzuspülenden Produkten wie Shampoo oder Duschgel erlaubt, mit höchstens 0,0015 Prozent4.
- Seit 12. Februar 2017: MI ist in Produkten verboten, die auf Haut oder Haar bleiben — ausdrücklich einschließlich Feuchttüchern2.
- Seit 2018: In abzuspülenden Produkten sind höchstens 0,0015 Prozent MI erlaubt (15 ppm) statt vorher 0,01 Prozent3.
Wandfarben und Reinigungsmittel
Diese Verbote gelten nur für Kosmetik, nicht für Reinigungsmittel1 oder Farben. Seit Mai 2020 gilt aber eine EU-weit einheitliche Einstufung: MI ist als stark hautsensibilisierend eingestuft, und Gemische wie Farben gelten schon ab 0,0015 Prozent MI als hautsensibilisierend5. In Wasch- und Reinigungsmitteln müssen Konservierungsmittel unabhängig von ihrer Menge auf der Packung stehen8.
Wer auf MI reagiert, fragt beim Renovieren am besten im Fachhandel gezielt nach Farben ohne Isothiazolinone.
Lösen Parabene Allergien aus?
Selten. In den IVDK-Daten reagierten 1,39 Prozent der Getesteten auf die Paraben-Mischung, in einer dänischen Studie nur 0,5 Prozent, deutlich weniger als auf MCI/MI6. Der damalige Leiter des IVDK fasste zusammen, dass Parabene und Phenoxyethanol nur selten als Ursache von Kontaktallergien auf Kosmetika aufgefallen sind7.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält einen generellen Ersatz von Parabenen deshalb nicht für sinnvoll: Viele andere Konservierungsstoffe haben ein deutlich höheres allergenes Potenzial, und Hautärzte verweisen auf die vergleichsweise gute Hautverträglichkeit der Parabene6.
„Parabenfrei“ heißt also nicht automatisch „besser für Allergiker“. Die Diskussion um hormonähnliche Wirkungen einzelner Parabene ist eine eigene Frage, die mit Kontaktallergien nichts zu tun hat6.
Wie wird eine Allergie gegen Konservierungsstoffe festgestellt?
Mit dem Epikutantest beim Hautarzt oder der Hautärztin. Getestet wird zunächst eine Standardreihe mit rund 30 häufigen Kontaktallergenen, die mit Pflastern auf den Rücken geklebt und nach 24 bis 48 Stunden sowie ein bis zwei Tage später abgelesen wird9. Bring verdächtige eigene Produkte mit, denn die Forschung empfiehlt, auch persönliche Gegenstände in den Blick zu nehmen9.
Auf die Etiketten allein ist nicht immer Verlass: Schwedische Forscher fanden Formaldehyd oder Formaldehydabspalter in 58 von 245 Kosmetika, bei 17 davon stand nichts davon auf der Packung1.
Was hilft, und worauf achten Gastgeber, Kita und Pflege?
Eine Hyposensibilisierung gegen Kontaktallergene gibt es nicht. Entscheidend ist, den Auslöser zu meiden; das Ekzem lässt sich mit Hautpflege, kühlenden Umschlägen und kortisonhaltigen Cremes nach ärztlicher Verordnung gut behandeln10.
Auf Kosmetik stehen die Stoffe mit ihren INCI-Namen in der Zutatenliste, zum Beispiel „Methylisothiazolinone“ oder „Methylchloroisothiazolinone“24.
Für Gastgeber, Kita und Pflege
- Seife, Duschgel und Creme des Gastes oder der Familie verwenden, statt eigene Produkte anzubieten.
- Ein frisch gestrichenes Zimmer nicht als Gästezimmer einplanen, wenn jemand auf MI reagiert.
- Beim Putzen Handschuhe bereitlegen, falls die Person mithilft, oder ihr diese Aufgaben abnehmen.
- In Kita und Pflege auf Feuchttücher, Sonnencreme und Waschlotionen achten; Bastelkleber kann ebenfalls Isothiazolinone enthalten1.
Verwandte Kontaktallergien sind Nickel und Duftstoffe.
Häufige Fragen
Ist Methylisothiazolinon in Kosmetik verboten?
In Produkten, die auf der Haut bleiben, einschließlich Feuchttüchern, ja, seit Februar 20172. In abzuspülenden Produkten wie Shampoo ist es mit höchstens 0,0015 Prozent erlaubt3.
Sind parabenfreie Produkte besser für Allergiker?
Nicht unbedingt. Parabene lösen selten Allergien aus, und viele Ersatzstoffe haben ein deutlich höheres allergenes Potenzial6.
Müssen Waschmittel Konservierungsstoffe angeben?
Ja, in Wasch- und Reinigungsmitteln müssen Konservierungsmittel unabhängig von ihrer Konzentration angegeben werden8.
So steht es im Pass
Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:
- leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
- mitteldeutliche Reaktion
- schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
- anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei
Quellen
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Was ist eine Kontaktallergie?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Europäische Kommission, EUR-Lex: Verordnung (EU) 2016/1198 der Kommission zur Änderung von Anhang V der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel (Methylisothiazolinon in Leave-on-Produkten). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Europäische Kommission, EUR-Lex: Verordnung (EU) 2017/1224 der Kommission zur Änderung des Anhangs V der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel (Methylisothiazolinon in Rinse-off-Produkten). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Europäische Kommission, EUR-Lex: Verordnung (EU) Nr. 1003/2014 der Kommission zur Änderung des Anhangs V der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel (Gemisch MCI/MI). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Europäische Kommission, EUR-Lex: Verordnung (EU) 2018/1480 der Kommission zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP), Einstufung von 2-Methyl-2H-isothiazol-3-on. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verwendung von Parabenen in kosmetischen Mitteln – Stellungnahme Nr. 009/2011 des BfR. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- GD Gesellschaft für Dermopharmazie e. V.: Kontaktallergien auf Kosmetika – Welche Inhaltsstoffe sind diesbezüglich problematisch? (Medienmitteilung, 4. April 2011). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Europäisches Parlament und Rat, EUR-Lex: Verordnung (EG) Nr. 648/2004 über Detergenzien (konsolidierte Fassung), Anhang VII. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Kontaktallergie erkennen – die Diagnose. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Kontaktallergie behandeln – was hilft?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.