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Pflasterallergie: Kolophonium, Acrylate und was du stattdessen nutzen kannst

Hände kleben ein hautfarbenes Pflaster um einen Finger
Foto: Diana Polekhina · Unsplash

Eine Pflasterallergie ist meist eine Kontaktallergie gegen Bestandteile des Klebers. Klebstoffe, auch in Pflastern, zählen zu den häufigen Auslösern von Kontaktallergien1. Die wichtigsten Allergene sind Kolophonium, ein Harz aus Kiefern und Fichten, und Acrylate, die in Klebstoffen und Kunststoffen stecken23.

Die Haut reagiert verzögert, oft erst ein bis drei Tage nach dem Kontakt1, und meist genau dort, wo der Kleber saß3. Wer betroffen ist, muss nicht auf Wundversorgung verzichten, sondern auf den passenden Kleber achten.

Was ist eine Pflasterallergie?

Eine allergische Reaktion vom Spättyp gegen einen Stoff im Pflaster, meist im Kleber. Kontaktallergien zeigen sich 12 bis 72 Stunden nach dem Kontakt4.

Typisch sind Schwellung, Juckreiz und trockene Haut1. Bei einer Acrylatallergie beschreibt DermNet Jucken, Brennen, Schuppung, Quaddeln und Bläschen, meist auf die Kontaktstelle begrenzt3. Etwa 8 Prozent der Erwachsenen haben eine Kontaktallergie1.

Ob wirklich eine Allergie vorliegt, zeigt der Epikutantest beim Hautarzt.

Was ist Kolophonium und wo steckt es?

Kolophonium ist das Harz von Kiefern und Fichten2. Es steckt in vielen Klebern und Alltagsprodukten. DermNet nennt unter anderem2:

  • Medizin und Pflege: Pflaster, Tapes, Hydrokolloid-Wundauflagen, Kleber mancher Glukosesensoren, Stomaprodukte, Warzenmittel
  • Kosmetik: Mascara, Lippenstift, Lidschatten, Abdeckcreme, Nagellack
  • Alltag: Kaugummi, Schuhe, Griffhilfen im Sport, transparente Seifen
  • Industrie und Handwerk: Papier und Pappe, Lacke, Farben, Lötmittel

Kreuzreaktionen

Kolophonium ist verwandt mit Perubalsam, Propolis, Terpentinöl und Duftstoffen. Zwischen Propolis, Duftstoffen und Kolophonium sind Kreuzreaktionen deutlich2. Wer auf Kolophonium reagiert, sollte deshalb auch bei Duftstoffen aufmerksam sein.

Welche Rolle spielen Acrylate bei einer Pflasterallergie?

Acrylate sind Bausteine von Kunststoffen und Klebern. Die einzelnen Bausteine (Monomere) reizen und sensibilisieren, fertig ausgehärtete Kunststoffe gelten als weitgehend harmlos3.

Acrylate stecken laut DermNet in Klebern und Bindemitteln, medizinischen Sprühklebern, künstlichen Fingernägeln, Wimpernkleber und Dentalmaterialien3. Kontaktallergien gegen Acrylate nehmen in vielen europäischen Ländern zu4.

Die Standardreihe des Epikutantests enthält mit HEMA nur ein Acrylat. Andere, etwa Isobornylacrylat, stehen in einer eigenen Testreihe für Kunstharze und Kleber6. Wer auf Klebeprodukte reagiert, sollte deshalb nach erweiterten Tests fragen.

Was tun bei Reaktionen auf Glukosesensor oder Insulinpumpe?

Nicht einfach weitermachen und nicht selbst die Therapie abbrechen, sondern Diabetesteam und Hautarzt einbeziehen. Auch die Kleber mancher Glukosesensoren können Kolophonium enthalten2, und Acrylate kommen in vielen Klebern vor3.

  • Abklären: Ein Epikutantest mit erweiterten Reihen kann zeigen, welcher Stoff verantwortlich ist6. Für Tests mit eigenem Material, etwa einem Stück Pflaster oder Gerätekleber, hat die Deutsche Kontaktallergie-Gruppe eine eigene Arbeitsanweisung7.
  • Auslöser meiden: Ist der Stoff bekannt, hilft es, die Zutaten beim Hersteller zu erfragen2. So lässt sich ein System oder Pflaster ohne diesen Stoff suchen.
  • Zwischenlösungen wie Hautschutzfilme oder Unterlagen unter dem Sensor bespricht man am besten mit dem Diabetesteam.

Wie wird eine Pflasterallergie festgestellt?

Mit dem Epikutantest in der Hautarztpraxis. Die Testsubstanzen werden mit Pflastern auf den Rücken geklebt, nach 24 bis 48 Stunden abgenommen und ein bis zwei Tage später erneut abgelesen5.

Kolophonium ist in der Standardreihe der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe enthalten, getestet als 20 Prozent in Vaseline6. Reagiert die Haut nur auf ein bestimmtes Produkt, kann auch dieses getestet werden7.

Worauf achten, wenn ich jemanden mit Pflasterallergie versorge?

Auf alles, was auf der Haut klebt: Pflaster, Tapes, Wundauflagen, Elektroden und Sensoren. Den Auslöser zu meiden ist die wichtigste Maßnahme1.

  • Vor dem Kleben fragen: Welche Pflaster wurden schon vertragen? Am besten genau diese Marke bereithalten.
  • Zutaten prüfen: Bei Unsicherheit beim Hersteller nach Kolophonium oder Acrylaten fragen2.
  • Ohne Kleber fixieren: Mullbinde oder Schlauchverband statt Klebepflaster, wo das möglich ist.
  • Dokumentieren: In Kita, Pflege oder Praxis die Allergie mit dem genauen Stoff notieren, nicht nur „Pflaster“.

Im Nagelstudio gibt es Alternativen: Künstliche Fingernägel lassen sich auch mit acrylatfreiem Gel befestigen8. Ein Ekzem wird meist mit kortisonhaltigen Cremes behandelt, das entscheidet die Ärztin oder der Arzt1.

Häufige Fragen

Bin ich gegen alle Pflaster allergisch?

Meist nicht. Die Reaktion richtet sich gegen einen bestimmten Stoff wie Kolophonium oder ein Acrylat. Pflaster ohne diesen Stoff werden oft vertragen, im Zweifel beim Hersteller nachfragen2.

Hat Kolophonium etwas mit Perubalsam zu tun?

Ja, beide sind verwandt, und Kreuzreaktionen sind möglich2. Ein positiver Test auf das eine heißt aber nicht automatisch, dass du auf das andere reagierst.

Wie schnell zeigt sich eine Pflasterallergie?

Verzögert: Kontaktallergien treten 12 bis 72 Stunden nach dem Kontakt auf4. Deshalb wird die Rötung oft erst nach dem Abziehen bemerkt.

Kann ich trotz Acrylatallergie künstliche Nägel tragen?

Mit acrylatfreiem Gel ist das möglich8. Direkter Hautkontakt mit Acrylaten sollte vermieden werden3.

So steht es im Pass

Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:

  • leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
  • mitteldeutliche Reaktion
  • schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
  • anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei

Quellen

  1. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit: Kontaktallergie. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. DermNet (Ngan, Coulson), überprüft 2023: Rosin allergy. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. DermNet (Ngan): Allergy to acrylates. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Kontaktallergie – Was ist das?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Kontaktallergie erkennen – die Diagnose. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. Deutsche Kontaktallergie-Gruppe (DKG) in der DDG: Testreihen der DKG. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  7. Deutsche Kontaktallergie-Gruppe (DKG) in der DDG: Stellungnahmen und Empfehlungen (u. a. Arbeitsanweisung Epikutantest mit patienteneigenem Material). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  8. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Lässt sich eine Kontaktallergie vermeiden?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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