Roggenpollen: Allergie gegen Getreidepollen verstehen und vorbeugen

Roggenpollen sind unter den Getreidepollen die wichtigsten Auslöser von Heuschnupfen1. Eine einzige Roggenähre setzt rund vier Millionen Pollen frei1. Nach dem gesamtdeutschen Pollenflugkalender blüht Roggen hauptsächlich von Ende Mai bis Mitte Juni2. In einer bundesweiten Studie des Robert Koch-Instituts hatten 16,8 % der Erwachsenen Antikörper gegen Roggenpollen im Blut3; nicht jede Sensibilisierung führt zu Beschwerden4.
Wer auf Roggenpollen reagiert, reagiert praktisch immer auch auf andere Gräser1. Eine eigene Seite lohnt sich trotzdem: Roggenpollen fliegen vor allem in der Nähe von Feldern, und viele fragen sich, ob sie dann noch Roggenbrot essen dürfen.
Wann fliegen Roggenpollen?
Hauptsächlich von Ende Mai bis Mitte Juni. Der Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, berechnet aus Messdaten der Jahre 2016 bis 2021, zeigt die Vorblüte ab Mitte Mai und Ausläufer bis Anfang August2.
Damit fällt die Roggenblüte mitten in die Hauptzeit der Gräserpollen, die etwa von Ende Mai bis Mitte Juli reicht2. Für viele Betroffene addieren sich beide Belastungen.
Der Deutsche Wetterdienst weist Roggen in seinem Pollenflug-Gefahrenindex als eigene Pollenart aus, mit Vorhersagen für heute, morgen und übermorgen7.

Wo ist die Belastung durch Roggenpollen am höchsten?
In der Nähe von Roggenfeldern. Roggenpollen sind sehr groß und schwer und fliegen deshalb nicht weit, erklärte eine Expertin des Zentrums für medizin-meteorologische Forschung in Freiburg. Wer in der Stadt wohnt und das nächste Roggenfeld fünf Kilometer entfernt hat, ist weniger gefährdet5.
Der Allergieinformationsdienst rät Menschen mit Heuschnupfen entsprechend, sich in der Saison nicht in der Nähe von Getreidefeldern und blühenden Wiesen aufzuhalten6. Wer in einer Gegend mit viel Getreideanbau lebt oder dort Urlaub macht, spürt die Roggenblüte also oft deutlicher als in der Innenstadt.
Welche Symptome machen Roggenpollen?
Die typischen Heuschnupfen-Beschwerden: Niesreiz, laufende oder verstopfte Nase, Juckreiz in der Nase und juckende, tränende Augen, oft dazu ein Gefühl der Abgeschlagenheit4.
Bleibt ein Heuschnupfen unbehandelt, kann er sich zum allergischen Asthma ausweiten4. Husten, pfeifender Atem oder Atemnot nach einem Spaziergang am Feldrand gehören deshalb ärztlich abgeklärt. Ein Symptom-Tagebuch, das du mit der Pollenvorhersage abgleichst, hilft bei der Einordnung6.
Warum hängen Roggenpollenallergie und Gräserpollenallergie zusammen?
Weil Roggen ein Süßgras ist und seine Pollenallergene denen der Wiesengräser sehr ähneln. Bei Gräser- und Getreidepollen liegt praktisch immer eine Empfindlichkeit gegen mehrere Arten zugleich vor1.
Die Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie beschreibt die Pollenallergene der bei uns heimischen Gräser als hochgradig kreuzreaktiv8. Die RKI-Studie führt Roggenpollen und Lieschgras gemeinsam unter den Gräserpollen; beide gehörten zu den zehn häufigsten Sensibilisierungen3.
Für den Alltag heißt das: Eine Roggenpollenallergie kommt selten allein. Die Tipps für die Gräsersaison gelten fast immer mit.
Darf ich mit einer Roggenpollenallergie Roggenbrot essen?
In aller Regel ja. Eine Pollenallergie richtet sich gegen eingeatmete Pollen, nicht gegen das Mehl im Brot.
- In der RKI-Studie waren 16,8 % der Erwachsenen gegen Roggenpollen sensibilisiert, aber nur 6,0 % gegen Roggenmehl3.
- Tests mit Weizenextrakt fallen bei Gräserpollenallergie wegen der Kreuzreaktivität häufig falsch positiv aus9.
- Menschen mit Gräser- und Getreidepollenallergie reagieren seltener auf Lebensmittel als Menschen mit Birkenpollenallergie, und ein positiver Test allein ist kein Grund für eine Diät10.
Anders ist es, wenn nach dem Essen tatsächlich Beschwerden auftreten. Das gehört allergologisch abgeklärt. Mit Zöliakie oder einer Unverträglichkeit von glutenhaltigem Getreide hat eine Pollenallergie nichts zu tun; das sind eigene Krankheitsbilder.
Atemnot, Schwellungen im Hals oder Kreislaufprobleme nach dem Essen sind ein Notfall: Notruf 112.
Was hilft bei einer Roggenpollenallergie?
Pollen meiden, Beschwerden mit Medikamenten lindern und gegebenenfalls eine Hyposensibilisierung. Bei Verdacht auf eine Allergie ist ärztlicher Rat der erste Schritt4.
- Meiden: in der Roggenblüte Felder umgehen und Aufenthalte im Freien auf Regentage legen6.
- Hyposensibilisierung: Für Gräserpollen ist sie gut untersucht, als Spritze wie als Tropfen oder Tablette unter die Zunge, mit einer geplanten Dauer von mindestens drei Jahren8. Welches Präparat bei einer Roggenpollenallergie passt, entscheidet die allergologische Praxis.
Worauf achte ich, wenn ein Gast mit Roggenpollenallergie zu Besuch ist?
- Ausflüge planen: Radtour oder Picknick am Feldrand zwischen Ende Mai und Mitte Juni lieber verschieben; Wald, See oder Stadt sind bessere Ziele56.
- Lüften: stoßweise4 und am besten morgens; bei Gräserpollen sind die Morgenstunden meist weniger belastet als Abend und Nacht6.
- Wäsche und Kleidung: Bettwäsche drinnen trocknen, Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers ablegen lassen, abends Haarewaschen ermöglichen4.
- Urlaub auf dem Land: In Getreidegegenden ist die Belastung höher. Inseln, Küsten mit Seewind und Hochgebirge über 2.000 Metern gelten als pollenarm4.
- Essen: Brot und Brötchen sind bei einer reinen Pollenallergie meist kein Problem310. Im Zweifel einfach nachfragen.
Häufige Fragen
Ist eine Roggenpollenallergie dasselbe wie eine Gräserpollenallergie?
Fast immer treten beide gemeinsam auf, weil die Allergene sehr ähnlich sind18. Roggen hat aber eine eigene, etwas kürzere Blütezeit und fliegt vor allem in Feldnähe25.
Wie weit fliegen Roggenpollen?
Nicht sehr weit, weil sie groß und schwer sind. Wer fünf Kilometer vom nächsten Roggenfeld entfernt wohnt, ist laut einer Freiburger Fachfrau weniger gefährdet5.
Wann ist die Roggenblüte vorbei?
Die Hauptblüte endet etwa Mitte Juni, vereinzelt fliegen Roggenpollen bis Anfang August2. Die Gräserblüte läuft dann aber oft noch weiter.
So steht es im Pass
Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:
- leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
- mitteldeutliche Reaktion
- schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
- anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei
Quellen
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Allergene aus der Luft. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Pollenflugkalender. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Robert Koch-Institut, Bundesgesundheitsblatt 2013: Prävalenz von Sensibilisierungen gegen Inhalations- und Nahrungsmittelallergene. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Gefahr im Anflug: Pollenallergien. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- APOTHEKE ADHOC / dpa, mit Aussagen von Carola Grundmann (Zentrum für medizin-meteorologische Forschung, Freiburg): Nächste Runde für Allergiker: Erst Gräser, dann Roggen. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie kann man Heuschnupfen vorbeugen?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Deutscher Wetterdienst: Pollenflug-Gefahrenindex. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- DGAKI, GPA, ÄDA u. a. (AWMF-Leitlinie 061-004), Allergologie select 2022: Guideline on allergen immunotherapy in IgE-mediated allergic diseases (S2k-Leitlinie). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- DGAKI, ÄDA, GPA u. a. (AWMF-Leitlinie 061-031), Allergologie select 2021: Update of the S2k guideline on the management of IgE-mediated food allergies. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Durch Heuschnupfen verursachte Nahrungsmittelallergie: Kreuzallergie. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.