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Haselpollenallergie: die ersten Pollen des Jahres und die Frage nach Haselnüssen

Gelbe Haselkätzchen an einem kahlen Zweig vor hellem Himmel
Foto: Jevgeņijs Grigorjevs · Unsplash

Eine Haselpollenallergie meldet sich meist als erste im Jahr, denn die Hasel ist in der Regel der früheste Frühblüher. Nach dem gesamtdeutschen Pollenflugkalender liegt ihre Hauptblüte etwa von Anfang Februar bis Anfang März, die Vorblüte beginnt schon im Januar1. In warmen Wintern fliegen die ersten Haselpollen manchmal bereits im Dezember2.

In einer bundesweiten Studie des Robert Koch-Instituts hatten 16,2 % der Erwachsenen Antikörper gegen Haselpollen im Blut3; nicht alle davon haben Beschwerden2. Eine häufige Frage ist, ob man dann auch auf Haselnüsse verzichten muss. Die Antwort hängt davon ab, worauf genau das Immunsystem reagiert.

Wann fliegen Haselpollen?

Hauptsächlich im Februar bis Anfang März. Der Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, berechnet aus Messdaten der Jahre 2016 bis 2021, zeigt die Vorblüte ab Anfang Januar und die Nachblüte bis Anfang April1.

Keine Pflanze hat sich so verfrüht

Zwischen den Kalendern für 2000–2007 und 2016–2021 hat sich der Beginn der Hasel-Hauptblüte um rund 20 Tage nach vorn verschoben, mehr als bei jedem anderen untersuchten Baum. Die Stiftung sieht darin einen Einfluss des Klimawandels auf die temperaturempfindlichen Frühblüher4.

Was danach kommt

Fast zeitgleich blüht die Erle, im April folgt die Birke1. Für Menschen, die auf alle drei reagieren, zieht sich die Saison so von Januar bis in den Mai. Tägliche Pollenvorhersagen helfen, Unternehmungen im Freien auf günstigere Tage zu legen5.

Welche Symptome hat eine Haselpollenallergie?

Die typischen Heuschnupfen-Beschwerden: Niesreiz, laufende oder verstopfte Nase, Juckreiz in der Nase und juckende, tränende Augen, oft dazu ein Gefühl der Abgeschlagenheit2.

Weil die Hasel im Winter blüht, werden die Beschwerden leicht für eine Erkältung gehalten. Ein Symptom-Tagebuch, das du mit der Pollenvorhersage abgleichst, zeigt schnell, ob ein Zusammenhang besteht5.

Bleibt ein Heuschnupfen unbehandelt, kann sich daraus ein allergisches Asthma entwickeln2. Husten, pfeifender Atem oder Atemnot in der Pollenzeit gehören deshalb in ärztliche Hände.

Darf ich mit einer Haselpollenallergie Haselnüsse essen?

Das hängt davon ab, auf welches Eiweiß du reagierst. Viele Menschen mit Allergie gegen Hasel- oder Birkenpollen bekommen nach rohen Haselnüssen ein Kribbeln oder Jucken im Mund, weil die Nuss ein Eiweiß enthält, das dem Birkenallergen Bet v 1 ähnelt (Cor a 1)6. Diese Reaktionen bleiben meist auf Mund und Rachen beschränkt und betreffen vor allem rohe Lebensmittel6.

Es gibt zwei Arten von Haselnussallergie

  • Pollenbedingt: ausgelöst durch die Bet-v-1-ähnlichen Eiweiße, meist mit Beschwerden im Mund6.
  • Durch Speichereiweiße der Nuss: Sensibilisierungen gegen die Haselnuss-Eiweiße Cor a 9 und Cor a 14 gehen häufiger mit Reaktionen am ganzen Körper einher6.

Welche Form vorliegt, lässt sich mit Bluttests auf diese Einzelallergene eingrenzen6. Haselnüsse nach einer Reaktion deshalb nicht auf eigene Faust wieder ausprobieren, sondern allergologisch abklären lassen. Wie häufig das Thema ist, zeigt die RKI-Studie: Haselnuss gehörte zu den häufigsten Sensibilisierungen gegen Lebensmittel, die Forschenden ordnen sie als pollenassoziiert ein3. Mehr zu Nüssen steht auf der Seite Schalenfrüchte.

Weitere mögliche Kreuzreaktionen

Ähnliche Eiweiße stecken auch in Apfel, Kirsche und Pfirsich6 — mehr dazu bei Apfel. Erhitztes wie Apfelkompott wird oft vertragen, und ein positiver Test allein ist kein Grund für eine lange Verbotsliste7.

Atemnot, Schwellung im Hals, Kreislaufprobleme oder Quaddeln am ganzen Körper nach dem Essen sind ein Notfall: Notruf 112, und ein ärztlich verordneter Adrenalin-Autoinjektor wird wie besprochen eingesetzt.

Zwei ganze Haselnüsse in der Schale, daneben ein Kern mit brauner Haut und ein geschälter heller Kern
Haselnüsse mit und ohne Schale. Ein Eiweiß der Nuss ähnelt den Allergenen in Hasel- und Birkenpollen. Foto: Ivar Leidus, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Hängen Hasel, Erle und Birke zusammen?

Ja. Die drei Bäume gehören zur selben Pflanzenfamilie, und ihre Pollenallergene sind sich sehr ähnlich. Die Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie beschreibt eine hohe Kreuzreaktivität zwischen den Pollen von Birke, Hasel, Erle, Eiche und Buche; das Birkenallergen Bet v 1 reagiert besonders stark mit Erlen- und Haselpollen über Kreuz8.

In der Praxis reagieren deshalb viele Menschen nicht nur auf die Hasel, sondern auf mehrere Frühblüher. Welche Pollen die Hauptrolle spielen, zeigt die allergologische Diagnostik.

Was hilft bei einer Haselpollenallergie?

Pollen meiden, Beschwerden mit Medikamenten lindern und gegebenenfalls eine Hyposensibilisierung — diese drei Wege nennt der Allergieinformationsdienst9.

  • Pollen meiden: bei starkem Pollenflug Fenster schließen, draußen getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer lagern, vor dem Schlafengehen die Haare waschen9.
  • Medikamente: etwa Antihistaminika oder Nasensprays mit Kortison; die Auswahl am besten mit Arztpraxis oder Apotheke besprechen9.
  • Hyposensibilisierung: Sie setzt an der Ursache an und wird als Spritze oder als Tropfen bzw. Tablette unter die Zunge gegeben9. Die Leitlinie strebt mindestens drei Jahre Behandlung an8. Eine Behandlung mit Birkenextrakt lindert auch die Beschwerden in der Hasel- und Erlenzeit8.

Bei Pollen sollte eine Hyposensibilisierung drei bis vier Monate vor Saisonbeginn starten9 — bei der Hasel also schon im Herbst. Ob sie infrage kommt, beurteilt eine Ärztin oder ein Arzt mit Weiterbildung Allergologie9.

Worauf achte ich, wenn ich in der Haselzeit Gäste habe?

Ein pollenarmes Gästezimmer und Klarheit bei Nüssen sind die zwei wichtigsten Punkte.

Zimmer und Wohnung

  • Lüften stoßweise und zu pollenarmen Zeiten: in der Stadt meist zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land zwischen 18 und 24 Uhr, besonders gut nach einem Regenguss2.
  • Bettwäsche frisch beziehen und drinnen trocknen2.
  • Mantel und Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers ablegen lassen, abends Haarewaschen ermöglichen2.
  • Zweige mit blühenden Kätzchen gehören in dieser Zeit nicht als Deko ins Gästezimmer.

Backen und Kochen

Haselnuss steckt in Plätzchen, Nougat, Nusszopf, Müsli und vielen Kuchen. Frag nach, ob dein Gast nur im Mund auf rohe Nüsse reagiert oder eine echte Nussallergie hat. Bist du unsicher, plane nussfrei — die beiden Formen lassen sich nur allergologisch unterscheiden6.

Häufige Fragen

Ist eine Haselpollenallergie dasselbe wie eine Haselnussallergie?

Nein. Wer auf Haselpollen reagiert, bekommt bei rohen Haselnüssen oft nur Mundbeschwerden; eine Allergie gegen die Speichereiweiße der Nuss kann dagegen schwerer verlaufen6.

Warum blüht die Hasel immer früher?

Der Beginn der Hauptblüte hat sich seit Anfang der 2000er-Jahre um rund 20 Tage verfrüht. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst sieht darin einen Effekt des Klimawandels4.

Hilft eine Hyposensibilisierung gegen Birkenpollen auch bei Haselpollen?

Laut Leitlinie lindert eine Behandlung mit Birkenextrakt auch die Beschwerden in der Hasel- und Erlensaison8. Ob das im Einzelfall passt, klärt die allergologische Praxis.

Können Haselpollen schon im Dezember fliegen?

Ja, in warmen Wintern manchmal2. Der Pollenflugkalender zeigt mögliches Vorkommen ab Dezember1.

So steht es im Pass

Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:

  • leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
  • mitteldeutliche Reaktion
  • schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
  • anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei

Quellen

  1. Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Pollenflugkalender. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Gefahr im Anflug: Pollenallergien. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. Robert Koch-Institut, Bundesgesundheitsblatt 2013: Prävalenz von Sensibilisierungen gegen Inhalations- und Nahrungsmittelallergene. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (Poster, Deutscher Allergiekongress 2023): Wandel des Pollenflugs in Deutschland: Eine zeitliche Analyse von vier gesamtdeutschen Pollenflugkalendern seit dem Jahr 2000. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie kann man Heuschnupfen vorbeugen?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. DGAKI, ÄDA, GPA u. a. (AWMF-Leitlinie 061-031), Allergologie select 2021: Update of the S2k guideline on the management of IgE-mediated food allergies. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  7. Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Durch Heuschnupfen verursachte Nahrungsmittelallergie: Kreuzallergie. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  8. DGAKI, GPA, ÄDA u. a. (AWMF-Leitlinie 061-004), Allergologie select 2022: Guideline on allergen immunotherapy in IgE-mediated allergic diseases (S2k-Leitlinie). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  9. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie wird Heuschnupfen behandelt?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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