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Beifußallergie: Spätsommerpollen, Sellerie und Gewürze im Blick

Tief eingeschnittene, gefiederte Blätter einer Wildpflanze, dicht an dicht von oben fotografiert
Foto: Fern M. Lomibao · Unsplash

Eine Beifußallergie ist eine Pollenallergie des Spätsommers. Der Gewöhnliche Beifuß blüht nach dem gesamtdeutschen Pollenflugkalender hauptsächlich von Ende Juli bis etwa Ende August; Vor- und Nachblüte reichen von Mitte Juni bis in den Oktober1. Beifuß gilt als eine der Hauptursachen für Pollenallergien durch Wildkräuter in Europa2. In einer bundesweiten Studie des Robert Koch-Instituts hatten 9,0 % der Erwachsenen Antikörper gegen Beifußpollen im Blut3.

Für alle, die kochen, ist Beifuß aus einem besonderen Grund wichtig: Er hängt mit Sellerie und bestimmten Gewürzen zusammen, und schwere Reaktionen auf Sellerie treten vor allem bei Menschen auf, die gegen Beifußpollen sensibilisiert sind2.

Wann fliegen Beifußpollen?

Hauptsächlich von Ende Juli bis etwa Ende August. Der Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, berechnet aus Messdaten der Jahre 2016 bis 2021, zeigt die Vorblüte ab Mitte Juni und Ausläufer bis in den Oktober1.

Die Saison überschneidet sich mit der von Ambrosia, einer verwandten Pflanze, die später im Sommer ihren Höhepunkt hat16.

Zu welcher Tageszeit ist die Belastung am höchsten?

Anders als bei Birke und Gräsern: Beifußpollen wurden besonders in den Morgenstunden gemessen. Wer auf Beifuß reagiert, sollte morgens weder lüften noch sich lange draußen aufhalten4. Gelüftet wird am besten stoßweise und zu einer anderen Tageszeit5.

Blütenrispe des Gewöhnlichen Beifußes mit vielen kleinen, unscheinbaren Blütenköpfchen vor einer Wiese
Gewöhnlicher Beifuß in Blüte: Die unscheinbaren Blütenköpfchen geben im Spätsommer große Mengen Pollen ab. Foto: Krzysztof Ziarnek, Kenraiz, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Welche Symptome hat eine Beifußallergie?

Niesreiz, laufende oder verstopfte Nase, Juckreiz in der Nase und juckende, tränende Augen, dazu oft Abgeschlagenheit5. Beifuß- und Ambrosiapollen können außerdem asthmatische Reaktionen auslösen, und gegen beide ist ein orales Allergiesyndrom beschrieben, also Juckreiz und Schwellung im Mund nach bestimmten Lebensmitteln6.

Unbehandelt kann sich ein Heuschnupfen zum allergischen Asthma ausweiten5. Husten, pfeifender Atem oder Atemnot im August gehören deshalb ärztlich abgeklärt.

Welche Lebensmittel können bei einer Beifußallergie Probleme machen?

Vor allem Sellerie, außerdem Karotte und verschiedene Gewürze. Menschen, die auf Beifuß reagieren, zeigen oft auch allergische Reaktionen auf Sellerie7. Eine Übersichtsarbeit beziffert den Anteil der Beifuß-Sensibilisierten, die zusätzlich auf Gemüse wie Karotte und Sellerie oder auf Gewürze reagieren, auf etwa 20 %; Fachleute sprechen vom Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom8.

Warum Sellerie besonders ernst zu nehmen ist

  • Schwere allergische Reaktionen auf Sellerie treten nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts hauptsächlich bei Menschen mit Beifußpollen-Sensibilisierung auf2.
  • Ein Sellerie-Allergen (Api g 7) ähnelt dem Beifuß-Hauptallergen Art v 1. Wer gegen Api g 7 sensibilisiert war, hatte in einer Studie eine etwa sechsmal höhere Chance auf eine schwere anaphylaktische Reaktion2.
  • Sellerie enthält hitzestabile und hitzeempfindliche Allergene; manche Betroffene reagieren auch auf gekochten Sellerie8. Kochen macht ihn also nicht automatisch sicher.

Versteckter Sellerie und Gewürze

Sellerie steckt als Pulver in vielen Gewürzmischungen und als Geschmacksgeber in Würzmitteln, Suppen, Soßen und Dressings7. Ob bei Gewürzallergien mit Beifuß-Bezug ähnliche Mechanismen wie beim Sellerie eine Rolle spielen, wird noch erforscht2. Mehr auf den Seiten Sellerie, Gewürze und Karotte.

Atemnot, Schwellung im Hals, Kreislaufprobleme oder Quaddeln am ganzen Körper nach dem Essen sind ein Notfall: Notruf 112, und ein ärztlich verordneter Adrenalin-Autoinjektor wird wie besprochen eingesetzt.

Wie unterscheiden sich Beifuß und Ambrosia?

Am sichersten an der Blattunterseite: Beim Gewöhnlichen Beifuß ist sie weiß, bei der Ambrosia grün56. Die Stängel sind bei beiden oft rötlich, bei der Ambrosia aber deutlich behaart, beim Beifuß nur spärlich5.

Auch allergologisch sind die beiden eng verbunden. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst beschreibt zwischen ihnen die höchste Kreuzreaktivität; Sensibilisierungen gegen beide Pollen sind häufig, die Beschwerden klinisch nicht zu unterscheiden6. Die Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie betont dagegen, dass sie nur teilweise kreuzreaktiv sind und sauber auseinandergehalten werden müssen. In einer Auswertung waren 13 % der Seren gegen das Beifuß-Hauptallergen Art v 1 positiv, nur 2 % gegen das Ambrosia-Hauptallergen9.

Für dich heißt das: Welche der beiden Pflanzen die Hauptrolle spielt, klärt ein Test auf die Einzelallergene. Wichtig ist das vor allem für die Wahl einer Hyposensibilisierung9.

Wie wird eine Beifußallergie behandelt?

Wie andere Pollenallergien auf drei Wegen: Pollen meiden, Beschwerden mit Medikamenten wie Antihistaminika oder Kortison-Nasensprays lindern und gegebenenfalls eine Hyposensibilisierung10.

  • Die Hyposensibilisierung ist die einzige Behandlung, die an der Ursache ansetzt. Bei Pollen beginnt sie drei bis vier Monate vor der Saison, bei Beifuß also im Frühjahr10.
  • Für Beifuß ist die Studienlage dünner als für Birke, Gräser oder Ambrosia. Die Leitlinie hält eine Behandlung mit solchen Allergenextrakten im Einzelfall für möglich, wenn die Sensibilisierung nachweislich die Beschwerden verursacht9.
  • Eine Behandlung mit Ambrosia-Extrakt hilft den meisten Menschen mit Beifußallergie nicht9.

Ob und wie behandelt wird, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt mit Weiterbildung Allergologie10.

Worauf achte ich, wenn ich für jemanden mit Beifußallergie koche oder ihn beherberge?

Beim Kochen geht es vor allem um Sellerie, beim Übernachten um das Lüften zur richtigen Tageszeit.

Kochen

  • Frag nach, ob Sellerie vertragen wird, und zwar Knolle, Stange, Blätter und Pulver7.
  • Achte auf Gewürzmischungen, Würzmittel, Suppen, Soßen und Dressings, in denen Sellerie stecken kann7. Im Zweifel einzelne Gewürze statt Mischungen verwenden.
  • Gekochter Sellerie ist kein sicherer Ersatz für rohen8.
  • Beifuß selbst wird als Küchenkraut verwendet, etwa zur Gans. Lass ihn weg, wenn du unsicher bist, und frag nach.

Übernachtung

  • Nicht morgens lüften, wenn die Beifußpollenwerte am höchsten sind4; besser kurz und kräftig zu einer anderen Tageszeit oder nach einem Regenguss5.
  • Bettwäsche drinnen trocknen, nicht im Garten5.
  • Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers ablegen lassen und abends Haarewaschen ermöglichen5.
  • Spaziergänge im Spätsommer lieber nicht in die Morgenstunden legen4.

Häufige Fragen

Kann ich mit einer Beifußallergie Sellerie essen?

Das ist individuell. Viele Menschen mit Beifußallergie reagieren auf Sellerie7, und schwere Reaktionen sind vor allem bei Beifuß-Sensibilisierten beschrieben2. Bitte allergologisch abklären lassen, bevor du Sellerie isst.

Ist Beifuß dasselbe wie Ambrosia?

Nein. Beide sind verwandt, sehen sich ähnlich und blühen teilweise gleichzeitig. Der Beifuß hat eine weiße, die Ambrosia eine grüne Blattunterseite56.

Wann ist die Beifußsaison vorbei?

Die Hauptblüte endet etwa Ende August, vereinzelt fliegen Beifußpollen bis in den Oktober1.

Warum soll ich bei einer Beifußallergie morgens nicht lüften?

Beifußpollen wurden besonders in den Morgenstunden gemessen. Lüften und Aufenthalte im Freien legst du deshalb besser auf eine andere Tageszeit4.

Zusammenhänge

  • Häufig zusammen mit: Sellerie. Wer auf Sellerie reagiert, ist oft auch gegen Beifußpollen sensibilisiert; Gewürze können dazukommen (Beifuß-Sellerie-Gewürz-Syndrom).

Nur ein Hinweis auf häufige Zusammenhänge — keine Diagnose.

So steht es im Pass

Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:

  • leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
  • mitteldeutliche Reaktion
  • schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
  • anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei

Quellen

  1. Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Pollenflugkalender. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. Paul-Ehrlich-Institut: Neue Erkenntnisse zur Sellerieallergie und deren Risiken. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. Robert Koch-Institut, Bundesgesundheitsblatt 2013: Prävalenz von Sensibilisierungen gegen Inhalations- und Nahrungsmittelallergene. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie kann man Heuschnupfen vorbeugen?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Gefahr im Anflug: Pollenallergien. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Der Beifuß-Ambrosia-Komplex. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  7. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Lebensmittel: Allergen Sellerie. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  8. Ballmer-Weber B. K., Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin 2004: Die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  9. DGAKI, GPA, ÄDA u. a. (AWMF-Leitlinie 061-004), Allergologie select 2022: Guideline on allergen immunotherapy in IgE-mediated allergic diseases (S2k-Leitlinie). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  10. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie wird Heuschnupfen behandelt?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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