Erlenpollen: Allergie im Spätwinter erkennen und gut durch die Saison kommen

Erlenpollen gehören zusammen mit den Haselpollen zu den ersten Pollen des Jahres. Nach dem gesamtdeutschen Pollenflugkalender liegt die Hauptblüte der Erle etwa zwischen Mitte Februar und Mitte März; Vor- und Nachblüte reichen von Januar bis Ende April, und vereinzelt tauchen schon im Dezember Pollen auf1. In einer bundesweiten Studie des Robert Koch-Instituts hatten 16,5 % der Erwachsenen Antikörper gegen Erlenpollen im Blut, fast so viele wie gegen Birkenpollen2. Antikörper allein bedeuten allerdings noch keine Allergie mit Beschwerden6.
Weil die Erle in die kalte Jahreszeit fällt, werden Niesen und laufende Nase leicht für eine Erkältung gehalten. Hier liest du, woran du eine Erlenpollenallergie erkennst, warum sie fast immer mit Birke und Hasel zusammenhängt und was Gastgeber im Spätwinter beachten können.
Wann fliegen Erlenpollen?
Hauptsächlich von Mitte Februar bis Mitte März, mit Vorlauf ab Januar und Ausläufern bis in den April1. Grundlage ist der Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst mit Messdaten der Jahre 2016 bis 20211.
Die Saison beginnt früher als vor 20 Jahren
Vergleicht man die Kalender für 2000–2007 und 2016–2021, beginnt die Hauptblüte der Erle heute rund 14 Tage früher. Die Fachleute der Stiftung sehen darin einen Einfluss des Klimawandels auf die temperaturempfindlichen Frühblüher3.
Erlen, die schon zu Weihnachten blühen
Die Purpur-Erle ist eine gezüchtete Erle, die als Zierbaum gepflanzt wird. In einer Schweizer Gemeinde blühte sie mehrere Jahre in Folge zwischen Weihnachten und Neujahr, etwa zwei Monate vor den heimischen Erlen4. Wo solche Bäume stehen, können Beschwerden also schon um den Jahreswechsel beginnen.
Wie viele Pollen an einem bestimmten Tag fliegen, zeigen tägliche Pollenvorhersagen, etwa von der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst5.
Welche Symptome machen Erlenpollen?
Dieselben wie jeder Heuschnupfen: Niesreiz, laufende oder verstopfte Nase, Juckreiz in der Nase und juckende, tränende Augen, oft dazu Abgeschlagenheit6.
Erkältung oder Allergie?
Ein deutlicher Hinweis auf Pollen ist, dass die Beschwerden jedes Jahr in denselben Wochen wiederkommen. Ärztinnen und Ärzte fragen deshalb genau nach den Monaten, in denen die Symptome auftreten. Ein Symptom-Tagebuch mit Zeitpunkt, Dauer und Begleitumständen hilft bei der Diagnose7.
Wenn es auf die Bronchien geht
Unbehandelt kann sich ein Heuschnupfen zum allergischen Asthma ausweiten, dem sogenannten „Etagenwechsel“6. Husten, pfeifender Atem oder Atemnot in der Erlenzeit sollten ärztlich abgeklärt werden.
Warum reagieren Menschen mit Erlenpollenallergie oft auch auf Birke und Hasel?
Weil Erle, Hasel und Birke zur selben Pflanzenfamilie gehören und ihre Pollenallergene sich sehr ähneln. Die Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie beschreibt eine hohe Kreuzreaktivität zwischen den Pollen von Birke, Hasel, Erle, Eiche und Buche; das Birkenallergen Bet v 1 reagiert besonders stark mit Erlen- und Haselpollen über Kreuz8.
Für viele bedeutet das eine lange Saison am Stück: Erst kommen Hasel und Erle, danach die Birke mit ihrer Hauptblüte im April1.
Und beim Essen?
Ähnliche Eiweiße stecken auch in Obst, Gemüse und Nüssen, zum Beispiel in Apfel, Kirsche, Pfirsich und Haselnuss9. Wer auf Frühblüher reagiert, bemerkt deshalb manchmal ein Kribbeln oder Jucken im Mund nach rohem Apfel oder Nüssen. Die Beschwerden bleiben meist auf Mund und Rachen beschränkt und betreffen vor allem rohe Lebensmittel9.
Atemnot, Schwellungen im Hals oder Kreislaufprobleme nach dem Essen sind dagegen ein Notfall: Notruf 112, und ein ärztlich verordneter Adrenalin-Autoinjektor wird wie besprochen eingesetzt.
Wie wird eine Erlenpollenallergie festgestellt und behandelt?
Nach einem ausführlichen Gespräch folgt meist ein Pricktest auf der Haut; ist das Ergebnis unklar, kann im Blut nach spezifischen IgE-Antikörpern gesucht werden7.
Behandelt wird auf drei Wegen: Pollen meiden, Beschwerden mit Medikamenten wie Antihistaminika oder Kortison-Nasensprays lindern und das Immunsystem mit einer Hyposensibilisierung gewöhnen10.
Hyposensibilisierung bei Erlenpollen
- Sie ist die einzige Behandlung, die an der Ursache ansetzt, und wird als Spritze oder als Tropfen bzw. Tablette unter die Zunge gegeben10.
- Die Leitlinie sieht die Birke als wichtigste Allergenquelle ihrer Pflanzenfamilie an. Eine Behandlung mit Birkenextrakt lindert auch die Beschwerden in der Hasel- und Erlensaison8.
- Geplant wird mit einer Dauer von mindestens drei Jahren8.
- Bei Pollen sollte die Behandlung drei bis vier Monate vor Saisonbeginn starten10; bei der Erle heißt das: schon im Herbst.
Ob eine Hyposensibilisierung infrage kommt, beurteilt eine Ärztin oder ein Arzt mit Weiterbildung Allergologie10.
Worauf achte ich, wenn im Spätwinter ein Gast mit Erlenpollenallergie kommt?
Im Februar denkt kaum jemand an Pollen. Frag deshalb ruhig nach, ob dein Gast gerade Beschwerden hat, und plane ein pollenarmes Schlafzimmer ein.
- Lüften: kurz und kräftig statt Fenster auf Kipp5. In der Stadt fliegen meist zwischen 6 und 8 Uhr weniger Pollen, auf dem Land zwischen 18 und 24 Uhr; besonders günstig ist die Zeit nach einem Regenguss6.
- Bettwäsche: frisch beziehen und drinnen trocknen, nicht im Freien6.
- Kleidung: Mantel und Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers ablegen lassen und die Möglichkeit bieten, abends die Haare zu waschen6.
- Ausflüge: Längere Spaziergänge bei starkem Pollenflug lieber auf einen Regentag legen5. Im Auto die Fenster geschlossen halten6.
- Essen: Bei rohem Obst, Nüssen oder Rohkost kurz nachfragen. Erhitzte Varianten wie Kompott werden bei pollenbedingten Reaktionen oft besser vertragen, weil die auslösenden Eiweiße hitzeempfindlich sind9.
Häufige Fragen
Können Erlenpollen schon im Dezember fliegen?
Ja, vereinzelt. Der Pollenflugkalender zeigt mögliches Vorkommen ab Dezember1, und gezüchtete Purpur-Erlen können schon zwischen Weihnachten und Neujahr blühen4.
Ist eine Erlenpollenallergie dasselbe wie eine Birkenpollenallergie?
Nicht ganz, aber die Allergene sind so ähnlich, dass viele Betroffene auf beide reagieren8. Welche Pollen die Hauptrolle spielen, klärt die allergologische Diagnostik.
Hilft eine Hyposensibilisierung mit Birkenpollen auch gegen Erlenpollen?
Laut Leitlinie lindert eine Behandlung mit Birkenextrakt auch die Beschwerden in der Erlen- und Haselzeit8. Ob das im Einzelfall passt, entscheidet die Allergologin oder der Allergologe.
Warum beginnt die Erlensaison immer früher?
Die Hauptblüte setzt heute rund 14 Tage früher ein als Anfang der 2000er-Jahre. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst führt das auf den Klimawandel zurück3.
So steht es im Pass
Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:
- leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
- mitteldeutliche Reaktion
- schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
- anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei
Quellen
- Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Pollenflugkalender. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Robert Koch-Institut, Bundesgesundheitsblatt 2013: Prävalenz von Sensibilisierungen gegen Inhalations- und Nahrungsmittelallergene. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (Poster, Deutscher Allergiekongress 2023): Wandel des Pollenflugs in Deutschland: Eine zeitliche Analyse von vier gesamtdeutschen Pollenflugkalendern seit dem Jahr 2000. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Pollenallergie im Winter – Purpurerle (Alnus spaethii). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie kann man Heuschnupfen vorbeugen?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Gefahr im Anflug: Pollenallergien. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie wird Heuschnupfen diagnostiziert?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- DGAKI, GPA, ÄDA u. a. (AWMF-Leitlinie 061-004), Allergologie select 2022: Guideline on allergen immunotherapy in IgE-mediated allergic diseases (S2k-Leitlinie). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- DGAKI, ÄDA, GPA u. a. (AWMF-Leitlinie 061-031), Allergologie select 2021: Update of the S2k guideline on the management of IgE-mediated food allergies. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie wird Heuschnupfen behandelt?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.