Gräserpollenallergie: Flugzeit, Tageszeiten und Tipps für den Sommer

Eine Gräserpollenallergie ist der klassische Heuschnupfen. Rund 15 % der Erwachsenen in Deutschland haben Heuschnupfen, häufig ausgelöst durch Gräser- und Birkenpollen1. In einer bundesweiten Studie des Robert Koch-Instituts war Lieschgras, ein typisches Wiesengras, das häufigste von 50 getesteten Allergenen: 18,1 % der Erwachsenen hatten Antikörper dagegen2. Die Hauptblüte der Gräser liegt nach dem gesamtdeutschen Pollenflugkalender etwa von Ende Mai bis Mitte Juli, Vor- und Nachblüte reichen von Ende April bis Ende September3.
Hier liest du, warum fast immer mehrere Gräser beteiligt sind, zu welcher Tageszeit du besser lüftest, was bei Gewitter gilt und wie du einen Gast im Sommer gut unterbringst.
Wann fliegen Gräserpollen?
Am stärksten von Ende Mai bis Mitte Juli. Der Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, berechnet aus Messdaten der Jahre 2016 bis 2021, zeigt außerdem Vorblüte ab Ende April und Nachblüte bis in den September; vereinzelt sind Gräserpollen von März bis Oktober messbar3. Ein großer Teil des Sommers ist damit Gräserzeit.
Wie stark die Belastung an einem Tag ist, hängt vom Wetter ab. Ein Regenguss wäscht die Pollen vorübergehend aus der Luft1, und tägliche Pollenvorhersagen helfen bei der Planung4.
Zu welcher Tageszeit fliegen die meisten Gräserpollen?
In Messungen waren die Werte morgens vergleichsweise niedrig und abends am höchsten, in Stadtzentren auch nachts. Menschen mit Gräserpollenallergie wird deshalb geraten, die Morgenstunden für Aufenthalte im Freien und zum Lüften zu nutzen4. Gelüftet wird am besten stoßweise1.
Welche Symptome hat eine Gräserpollenallergie?
Niesreiz, laufende oder verstopfte Nase, Juckreiz in der Nase und juckende, tränende Augen, oft dazu Abgeschlagenheit1. Unbehandelt kann sich ein Heuschnupfen auf die Bronchien ausweiten, der sogenannte „Etagenwechsel“ zum allergischen Asthma1. Husten, pfeifender Atem oder Atemnot im Sommer gehören deshalb ärztlich abgeklärt.
Gewitterasthma
Sehr selten bekommen Menschen mit Pollenallergie während eines Gewitters schwere Asthmaanfälle, meist 20 bis 30 Minuten nach Beginn. Als Auslöser gelten vor allem Gräserpollen. Vermutlich platzen sie durch Luftfeuchtigkeit und elektrostatische Aufladung und setzen dabei winzige Allergenteilchen frei, die tief in die Lunge gelangen5.
Warum reagiere ich auf so viele verschiedene Gräser?
Weil sich die Pollenallergene der Süßgräser stark ähneln. Die meisten bei uns heimischen Gräser gehören zur Unterfamilie der Pooideae, deren Pollenallergene hochgradig kreuzreaktiv sind6. Die Leitlinie nennt als Beispiel das Allergen Phl p 1 aus Lieschgras, das mit dem entsprechenden Allergen aus Weidelgras und Weizen über Kreuz reagiert6.
Deshalb spielt es für Betroffene kaum eine Rolle, welches Gras gerade blüht. Auch Getreidepollen gehören dazu: Die RKI-Studie zählt Roggenpollen zusammen mit Lieschgras zu den Gräserpollen2. Mehr dazu auf der Seite Roggenpollen.
Heißt das, ich vertrage kein Brot?
In aller Regel nicht. Eine Pollenallergie richtet sich gegen eingeatmete Pollen. Tests mit Weizenextrakt fallen bei Gräserpollenallergie wegen der Kreuzreaktivität allerdings häufig falsch positiv aus7. Ein positiver Test allein ist kein Grund, Lebensmittel wegzulassen; entscheidend sind Beschwerden beim Essen, und das klärt die allergologische Praxis8.

Gibt es Kreuzallergien mit Lebensmitteln bei Gräserpollen?
Ja, aber seltener als bei der Birke. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes reagieren Menschen mit Birkenpollenallergie häufiger auf Lebensmittel als Menschen mit Gräser- oder Getreidepollenallergie8.
Profiline
Bei Gräserpollenallergie spielen oft sogenannte Profiline eine Rolle: Sensibilisierungen gegen diese Eiweiße entstehen häufig durch eine hohe Belastung mit Gräserpollen. Sie können Beschwerden vor allem im Mund und Rachen auslösen, etwa nach Melone, Zitrusfrüchten, Banane oder anderen exotischen Früchten; schwere Reaktionen sind selten7. Mehr bei Zitrusfrüchte und Banane.
Tomate und Erdnuss
Ältere Übersichtsarbeiten nennen bei Gräserpollenallergie auch Tomate und Erdnuss als mögliche Begleiter, zusammen mit Apfel und Pfirsich. Ob diese Sensibilisierungen in Mitteleuropa tatsächlich Beschwerden machen, gilt dort als nicht belegt9. Eine positive Testreaktion allein rechtfertigt deshalb keine Diät8.
Atemnot, Schwellungen im Hals, Kreislaufprobleme oder Quaddeln am ganzen Körper nach dem Essen sind immer ein Notfall: Notruf 112, und ein ärztlich verordneter Adrenalin-Autoinjektor wird wie besprochen eingesetzt.
Was hilft bei einer Gräserpollenallergie?
Pollen meiden, die Beschwerden mit Medikamenten behandeln und gegebenenfalls eine Hyposensibilisierung. Wer den Verdacht auf eine Allergie hat, sollte ärztlichen Rat einholen; eine gute Behandlung verbessert die Lebensqualität und senkt das Risiko, dass sich die Allergie ausweitet1.
Hyposensibilisierung gegen Gräserpollen
Für Gräser ist sie besonders gut untersucht:
- Die Behandlung mit Spritzen unter die Haut ist bei Erwachsenen durch viele Studien belegt, bei Kindern durch weniger6.
- Tropfen oder Tabletten unter die Zunge sind bei Erwachsenen und Kindern gut dokumentiert6.
- Zwischen beiden Formen fanden Metaanalysen keinen relevanten Unterschied in der Wirksamkeit6.
- Die Leitlinie empfiehlt nur Präparate mit nachgewiesener Wirksamkeit und plant mindestens drei Jahre Behandlung ein6.
- Bei Kindern und Jugendlichen gibt es Hinweise auf einen vorbeugenden Effekt gegen Asthma6.
Ob eine Hyposensibilisierung für dich infrage kommt, entscheidet die allergologische Praxis nach Diagnostik und Gespräch.
Worauf achte ich, wenn im Sommer ein Gast mit Gräserpollenallergie kommt?
Ein pollenarmes Schlafzimmer, Lüften am Morgen und ein gemähter Rasen helfen am meisten.
Wohnung und Gästezimmer
- Morgens lüften, kurz und kräftig; abends und nachts sind die Gräserpollenwerte oft höher4.
- Bettwäsche frisch beziehen und drinnen trocknen, nicht im Garten1.
- Jacke und Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers ablegen lassen, abends Haarewaschen ermöglichen1.
Garten und Grillabend
- Den Rasen kurz halten, aber nicht mähen, während dein Gast danebensitzt: Beim Mähen werden allergene Pflanzensäfte freigesetzt10.
- Gartenarbeit fällt nach längerem Regen leichter, weil die Pollen dann aus der Luft gewaschen sind10.
- Da die Belastung abends oft am höchsten ist4, kann das Essen drinnen an einem sonnigen Juniabend angenehmer sein als auf der Wiese.
Ausflüge
Aufenthalte in der Nähe von blühenden Wiesen und Getreidefeldern besser meiden4. Hochgebirge über 2.000 Metern sowie Inseln und Küsten mit Seewind gelten als pollenarm1.
Häufige Fragen
Ist die Gräserpollenallergie die häufigste Pollenallergie?
Vieles spricht dafür: In der DEGS1-Studie war Lieschgras das häufigste von 50 getesteten Allergenen2. Eine vom Bundesumweltministerium zitierte österreichische Auswertung nennt unter den Pollenallergien Gräser mit 56 % vor Birke mit 42 %1.
Wann ist die Gräserpollensaison vorbei?
Die Hauptblüte endet etwa Mitte Juli, die Nachblüte zieht sich bis Ende September3. Wie stark du sie spürst, hängt vom Wetter und deiner Empfindlichkeit ab.
So steht es im Pass
Steht im Pass unter „Gut zu wissen“, zusammen mit Umgebung, Tieren und Material. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:
- leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
- mitteldeutliche Reaktion
- schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
- anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei
Quellen
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV): Gefahr im Anflug: Pollenallergien. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Robert Koch-Institut, Bundesgesundheitsblatt 2013: Prävalenz von Sensibilisierungen gegen Inhalations- und Nahrungsmittelallergene. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Pollenflugkalender. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie kann man Heuschnupfen vorbeugen?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Gewitterasthma. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- DGAKI, GPA, ÄDA u. a. (AWMF-Leitlinie 061-004), Allergologie select 2022: Guideline on allergen immunotherapy in IgE-mediated allergic diseases (S2k-Leitlinie). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- DGAKI, ÄDA, GPA u. a. (AWMF-Leitlinie 061-031), Allergologie select 2021: Update of the S2k guideline on the management of IgE-mediated food allergies. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Durch Heuschnupfen verursachte Nahrungsmittelallergie: Kreuzallergie. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Ballmer-Weber B. K., Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin 2004: Die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
- Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB), allergien-im-garten.de: Tipps für den allergenarmen Garten. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.