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Allergie gegen Impfstoffe: Bestandteile, Hühnereiweiß und sicheres Impfen

Kleines Glasfläschchen mit rotem Verschluss und eine Spritze auf hellblauem Untergrund
Foto: Markus Spiske · Unsplash

Eine echte Allergie gegen Impfstoffe ist sehr selten. In einer großen Auswertung aus den USA kam es zu etwa 1,3 anaphylaktischen Reaktionen pro einer Million Impfdosen5. Wenn, dann reagieren Betroffene meist auf einzelne Bestandteile: Die Ständige Impfkommission (STIKO) nennt vor allem die Antibiotika Neomycin und Streptomycin, seltener Hühnereiweiß1. Auch Gelatine5, Polyethylenglykol (PEG)7 oder Polysorbat8 können eine Rolle spielen.

Wichtig für alle mit Eiallergie: Die meisten Impfungen sind trotzdem möglich. Nur nach schweren Reaktionen auf Ei gelten Einschränkungen für wenige Impfstoffe1.

Wie häufig ist eine Allergie gegen Impfstoffe?

Sehr selten. Unter mehr als 25 Millionen ausgewerteten Impfdosen fanden US-Forschende 33 bestätigte Fälle von Anaphylaxie, also 1,31 pro einer Million Dosen5.

Nicht jede Reaktion nach einer Impfung ist eine Allergie. Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sind übliche Impfreaktionen. Sie zeigen, dass das Immunsystem arbeitet, und klingen meist nach wenigen Tagen ab4.

Welche Impfstoff-Bestandteile können eine Allergie auslösen?

Meist nicht der Wirkstoff, sondern Hilfs- oder Rückstandsstoffe. Welche das sind, steht in der Fachinformation unter Abschnitt 2 und 6.1 sowie im Beipackzettel4.

  • Antibiotika: Neomycin und Streptomycin nennt die STIKO als wichtigste mögliche Auslöser1. Ein MMR-Impfstoff etwa enthält Spuren von Neomycin, eine Überempfindlichkeit dagegen ist dort als Gegenanzeige aufgeführt6.
  • Gelatine: zum Beispiel als hydrolysierte Gelatine in einem MMR-Impfstoff6. Gelatine, Hühnereiweiß und Milcheiweiß sind als Auslöser akuter Impfreaktionen beschrieben5.
  • Hühnereiweiß: in Impfstoffen, deren Viren in Hühnereiern gezüchtet werden, siehe unten1.
  • Polyethylenglykol (PEG): steckt als PEG-Lipid in einem mRNA-Impfstoff gegen COVID-19. Eine Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile ist dort Gegenanzeige7.
  • Polysorbat 80: enthalten etwa in einem proteinbasierten COVID-19-Impfstoff. Polysorbate können allergische Reaktionen hervorrufen8.
  • Latex: wurde in Einzelfällen als Auslöser vermutet5. Bei Latexallergie lohnt die Nachfrage in der Praxis.

Konservierungsmittel spielen heute eine geringere Rolle: In Deutschland zugelassene Impfstoffe sind im Allgemeinen frei von quecksilberhaltigem Thiomersal4.

Darf ich mit Hühnereiweißallergie geimpft werden?

In den allermeisten Fällen ja. Nur wenige Impfstoffe werden in bebrüteten Hühnereiern hergestellt2.

MMR und FSME

Die Viren für Masern-Mumps-Röteln- und FSME-Impfstoffe werden auf Zellkulturen aus Hühnerfibroblasten vermehrt. Die Impfstoffe enthalten kaum nachweisbare Spuren von Hühnereiweiß. Eine Eiallergie ist deshalb keine Kontraindikation, das Risiko einer Anaphylaxie nach MMR-Impfung ist bei Eiallergie nicht höher als allgemein1.

Gelbfieber und Grippe

Wer kurz nach dem Essen von Ei mit Anaphylaxie reagiert, etwa mit Atemnot, Schwellungen oder Kreislaufkollaps, soll keine Impfstoffe bekommen, die in bebrüteten Hühnereiern gezüchtet wurden. Das betrifft Gelbfieber- und entsprechende Grippeimpfstoffe1.

Bei der Grippeimpfung gibt es eine Lösung: Wer nur leicht auf Ei reagiert, kann laut RKI mit allen zugelassenen Influenza-Impfstoffen geimpft werden. Für schwere Eiallergien eignet sich ein in Zellkultur hergestellter Impfstoff3. Der Grippe-Lebendimpfstoff als Nasenspray ist nach schweren allergischen Reaktionen auf Hühnereiproteine laut Fachinformation kontraindiziert3.

Was gilt nach einer allergischen Reaktion auf eine Impfung?

Abklären lassen und den auslösenden Bestandteil suchen. Die STIKO empfiehlt nach einer Anaphylaxie eine allergologische Abklärung, damit dieser Bestandteil künftig gemieden werden kann1.

  • Ein Impfstoff, der eine Anaphylaxie ausgelöst hat, ohne dass der Auslöser gefunden wurde, ist kontraindiziert1.
  • Andere Reaktionen sind nicht automatisch ein Ausschluss. Je nach Schwere kann mit besonderer Vorsicht erneut geimpft werden, etwa teilstationär oder mit 30 Minuten Nachbeobachtung in der Praxis1.
  • Bei COVID-19-Impfungen empfiehlt das Paul-Ehrlich-Institut nach einer schweren Reaktion oder bei bekannter Allergie gegen einen Inhaltsstoff eine Abklärung, meist mit Wechsel auf einen anderen Impfstoff4.

Worauf achtet die Impfpraxis bei Allergikern?

Auf die Vorgeschichte, die Inhaltsstoffe und eine gute Nachbeobachtung. Impfungen sollen grundsätzlich in einem Umfeld stattfinden, in dem nach der Impfung beobachtet und eine Anaphylaxie behandelt werden kann1.

Was Betroffene in der Praxis sagen sollten

  • frühere Reaktionen nach Impfungen: welcher Impfstoff, welche Beschwerden, wie schnell
  • Ergebnis einer Allergieabklärung
  • schwere Reaktionen auf Ei, Gelatine, Neomycin, PEG, Polysorbat oder Latex
  • den Impfpass mitbringen, denn dort stehen Impfstoff und Chargennummer

Für das Praxisteam

Nach COVID-19-Impfungen empfiehlt das Paul-Ehrlich-Institut 15 Minuten Beobachtung, nach früheren Anaphylaxien oder schweren allergischen Reaktionen bis zu 30 Minuten4. Die Inhaltsstoffe stehen in der Fachinformation4. Bezeichnung und Chargennummer des Impfstoffs sollen eindeutig dokumentiert werden6.

Heuschnupfen, Neurodermitis oder andere Allergien ohne Bezug zu Impfstoff-Bestandteilen sind kein Grund, auf Impfungen zu verzichten. Ekzeme und andere Hauterkrankungen zählt die STIKO ausdrücklich zu den falschen Kontraindikationen1.

Wann ist eine Reaktion nach der Impfung ein Notfall?

Schwellungen (Angioödem), Atembeschwerden oder ein Kreislaufkollaps nach einer Impfung können Zeichen einer Anaphylaxie sein1. Dann sofort den Notruf 112 wählen9. Adrenalin in den Muskel ist das wichtigste Notfallmedikament9.

Eine Anaphylaxie kann auch nach der Wartezeit in der Praxis beginnen: In der US-Auswertung setzten die Beschwerden bei 8 Betroffenen innerhalb von 30 Minuten ein, bei anderen erst nach zwei bis vier Stunden5.

Häufige Fragen

Kann mein Kind mit Eiallergie die MMR-Impfung bekommen?

Ja. MMR-Impfstoffe enthalten kaum nachweisbare Spuren von Hühnereiweiß, eine Eiallergie ist laut STIKO keine Kontraindikation1.

Was ist mit der Grippeimpfung bei Eiallergie?

Bei leichter Eiallergie sind alle zugelassenen Grippeimpfstoffe möglich, bei schwerer ein Impfstoff aus Zellkultur3.

Wo finde ich, was in einem Impfstoff steckt?

In der Fachinformation unter Abschnitt 2 und 6.1 und im Beipackzettel. Das Paul-Ehrlich-Institut verlinkt sie in seiner Liste zugelassener Impfstoffe4.

Soll ich vor der Impfung ein Antiallergikum nehmen?

Das Paul-Ehrlich-Institut rät davon ab, weil sich eine Reaktion dadurch verzögern und erst nach der Beobachtungszeit auftreten könnte4.

So steht es im Pass

Steht im Pass unter „Im Notfall wichtig“ — für Ärztinnen, Ärzte und den Rettungsdienst. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:

  • leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
  • mitteldeutliche Reaktion
  • schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
  • anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei

Quellen

  1. Robert Koch-Institut, STIKO: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026 (Epidemiologisches Bulletin 4/2026). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. Robert Koch-Institut: Kontraindikationen bei der Durchführung von Impfungen (FAQ). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Influenza: Antworten auf häufig gestellte Fragen. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. Paul-Ehrlich-Institut: FAQ – Häufig gestellte Fragen: Impfstoffe. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. Journal of Allergy and Clinical Immunology 2016 (McNeil et al.), PubMed Central: Risk of anaphylaxis after vaccination in children and adults. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): M-M-RvaxPro: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  7. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Comirnaty: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  8. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Nuvaxovid: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  9. Allergo Journal International 2021 (Ring et al., DGAKI u. a.), PubMed Central: Guideline (S2k) on acute therapy and management of anaphylaxis: 2021 update. Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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