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Steinobstallergie: Pfirsich, Kirsche und Co. – mild oder ernst?

Zwei reife Pfirsiche auf hellen Holzdielen im Tageslicht
Foto: Cait Bermuhler · Unsplash

Eine Steinobstallergie betrifft Pfirsich, Nektarine, Aprikose, Kirsche, Pflaume und ihre Verwandten. Dahinter stecken meist zwei ganz unterschiedliche Allergene: ein hitzeempfindliches Eiweiß, das dem Birkenpollenallergen ähnelt und eher milde Beschwerden im Mund auslöst, und ein hitzestabiles Lipid-Transfer-Protein (LTP), das auch schwere Reaktionen auslösen kann145.

Welche Form vorliegt, entscheidet darüber, ob Kirschkuchen und Aprikosenkompott unproblematisch sind oder ebenfalls gemieden werden müssen. Hier liest du, wie sich die beiden Formen unterscheiden, wie sie festgestellt werden und worauf du achtest, wenn du für jemanden mit Steinobstallergie kochst.

Was ist eine Steinobstallergie?

Eine Steinobstallergie ist eine Reaktion des Immunsystems auf Eiweiße in Pfirsich, Aprikose, Kirsche, Pflaume und verwandten Früchten. Fachleute unterscheiden zwei Typen, die sich im Alltag sehr verschieden verhalten.

Typ 1: Kreuzallergie mit Birkenpollen

Wer auf Baumpollen wie Birke, Erle oder Hasel reagiert, verträgt häufig auch rohen Pfirsich, rohe Aprikosen, Pflaumen oder Kirschen nicht12. Das Immunsystem verwechselt dabei ein Eiweiß der Frucht mit dem Birkenallergen Bet v 1. Menschen mit dieser Form haben nach pflanzlichen Lebensmitteln oft nur leichte Beschwerden, und beim Erhitzen werden diese Eiweiße zerstört5.

Typ 2: LTP-Allergie

Lipid-Transfer-Proteine kommen in vielen Obst- und Gemüsesorten vor. Pfirsiche gehören zu den häufigsten Auslösern, daneben Äpfel, Kirschen, Aprikosen, Nektarinen, Nüsse, Tomaten und Weintrauben4. Das Pfirsich-LTP heißt Pru p 3 und wird in der Diagnostik als Marker für diese Form genutzt6. LTPs halten Hitze aus, Kochen schützt deshalb nicht4.

Welche Symptome hat eine Steinobstallergie?

Beim Birkenpollen-Typ stehen Beschwerden im Mund im Vordergrund: Juckreiz und ein pelziges Gefühl an Lippen und Gaumen, oft nur bei rohem Obst und bestimmten Sorten2. Seltener kommen Schnupfen, gerötete Augen, Schwellungen, Asthma oder Magen-Darm-Beschwerden dazu2.

Bei der LTP-Allergie kann der ganze Körper reagieren, bis hin zur Anaphylaxie. In Studien mit Kindern wurde eine Anaphylaxie bei bis zu der Hälfte der Betroffenen beschrieben6. Schwere Verläufe sind im Mittelmeerraum häufiger6, eine LTP-Sensibilisierung gilt aber auch in Mitteleuropa als Risikofaktor für schwere Symptome5.

Wann ist es ein Notfall?

Atemnot, Schwellungen im Hals, Schwindel oder Kreislaufprobleme nach dem Essen sind ein Notfall. Wer einen Adrenalin-Autoinjektor verordnet bekommen hat, setzt zuerst ihn ein, dann wird der Notruf 112 gewählt, Stichwort „schwere allergische Reaktion“9.

Ist gekochtes oder geschältes Steinobst verträglich?

Beim Birkenpollen-Typ meist ja, bei der LTP-Allergie nicht verlässlich. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst nennt Pfirsich und Aprikose ausdrücklich unter den Früchten, deren hitzeempfindliche Allergene sich durch mehr als drei Minuten Kochen entschärfen lassen2. Auch ein Kirschkuchen wird oft gut vertragen3.

Bei LTP sieht es anders aus: In Untersuchungen veränderte Kochen die Erkennung der LTPs nicht5. Konfitüre, Kompott, Nektar oder Dosenobst können dann genauso Reaktionen auslösen wie frische Früchte.

Die Rolle der Schale

LTPs stecken in höherer Konzentration in der Schale. Viele Kinder mit LTP-Allergie vertragen geschälte Früchte aus der Familie der Rosengewächse, zu der Steinobst gehört6. Ob das im Einzelfall gilt, klärt die Allergologin oder der Allergologe, bitte nicht auf eigene Faust ausprobieren.

Was kann eine Reaktion auf Steinobst verstärken?

Bestimmte Begleitumstände senken die Schwelle, ab der eine Reaktion auftritt. Bei LTP-Allergien lösen sie Reaktionen häufig erst aus oder verstärken sie6:

  • körperliche Anstrengung, etwa Sport kurz nach dem Essen
  • Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR
  • Alkohol

Fachleute raten deshalb, LTP-haltige Lebensmittel nicht mit solchen Kofaktoren zu kombinieren6. Auch ein Infekt kann dazu führen, dass schon eine kleinere Menge des Allergens für eine Reaktion reicht10. Das erklärt, warum ein Pfirsich mal problemlos vertragen wird und ein anderes Mal nicht.

Wie wird eine Steinobstallergie festgestellt?

Grundlage sind das Gespräch über die Beschwerden und Haut- oder Bluttests. Gibt es keine passende fertige Testlösung, sticht die Ärztin beim Prick-zu-Prick-Test zuerst in die Frucht und dann in die Haut8.

Besonders wichtig ist bei Steinobst die Frage, welcher Typ vorliegt. Ein Bluttest auf einzelne Allergenkomponenten kann eine eher harmlose Kreuzreaktion von einer Sensibilisierung mit höherem Anaphylaxie-Risiko unterscheiden, etwa gegen ein LTP7. Für den Pfirsich ist das Pru p 36.

Ein positiver Test bedeutet nur, dass das Immunsystem auf das Allergen anspricht. Eine Allergie liegt erst vor, wenn passende Beschwerden auftreten8. Ein positiver Test allein rechtfertigt keine langfristige Diät mit vielen Verboten3. In unklaren Fällen hilft ein Provokationstest unter ärztlicher Aufsicht, idealerweise in einer Klinik8.

Worauf muss ich achten, wenn ich für jemanden mit Steinobstallergie koche?

Frag zuerst, welche Form es ist: „Nur roh“ oder „auch gekocht“? Davon hängt ab, ob ein Kirschkuchen auf den Tisch darf. Bei einer LTP-Allergie lohnt auch die Frage nach Nüssen, Tomaten und Äpfeln, weil LTPs dort ebenfalls vorkommen4.

Steinobst steckt in vielen Speisen und Getränken:

  • Obstsalat, Fruchtjoghurt, Quarkspeisen, Smoothies
  • Säfte, Nektare und Schorlen, auch Mischsäfte
  • Konfitüre, Kompott, Pflaumenmus, Rote Grütze, asiatische Pflaumensoße
  • Kuchen und Torten wie Zwetschgendatschi oder Schwarzwälder Kirschtorte
  • Chutneys, Salate mit Pfirsich oder Aprikose, Trockenobst im Müsli

Plane eine Alternative ohne Steinobst ein, statt Früchte nachträglich herauszupicken. Bei Menschen mit Birkenpollen-Typ reagieren manche auch auf rohen Apfel1; bei LTP gehören Tomate und Nüsse zu den möglichen Auslösern4. Kreuzreaktionen sind Möglichkeiten, keine Gewissheiten: Was genau gemieden werden muss, steht am besten im Allergiepass.

Häufige Fragen

Muss ich bei einer Pfirsichallergie auch Kirschen meiden?

Nicht automatisch. Steinobstarten tauchen in den Kreuzreaktionslisten gemeinsam auf, sowohl beim Birkenpollen-Typ als auch bei LTP14. Welche Früchte wirklich Beschwerden machen, ist individuell und gehört in die ärztliche Abklärung.

Ist Aprikosenkonfitüre bei Steinobstallergie erlaubt?

Beim Birkenpollen-Typ wird gekochtes Steinobst oft vertragen2. Bei einer LTP-Allergie schützt das Kochen nicht, Konfitüre kann dann ebenso Beschwerden auslösen4.

Woran erkenne ich, ob ich eine LTP-Allergie habe?

Hinweise sind Reaktionen auch auf gekochte Früchte oder Beschwerden über den Mund hinaus. Sicher klärt das nur die Ärztin, etwa mit einem Bluttest auf Pru p 367.

Ist eine Steinobstallergie gefährlich?

Die Kreuzallergie mit Birkenpollen verläuft meist mild5. Eine LTP-Sensibilisierung geht mit einem höheren Risiko für schwere Reaktionen einher und sollte ärztlich begleitet werden57.

Zusammenhänge

  • Häufig zusammen mit: Birkenpollen. Wer auf Birkenpollen reagiert, verträgt häufig rohes Kern- und Steinobst, Nüsse, Karotten oder Sellerie nicht; auch Kiwi und rohe Tomate kommen vor.

Nur ein Hinweis auf häufige Zusammenhänge — keine Diagnose.

So steht es im Pass

Steht im Pass unter „In der Küche wichtig“ und in der Kurzfassung bei „Nicht essen“. Daneben steht, wie stark die Reaktion ist:

  • leichtnur Unwohlsein, keine Gefahr
  • mitteldeutliche Reaktion
  • schwerstarke Reaktion, Arzt nötig
  • anaphylaktischlebensbedrohlich, Notfallset dabei

Quellen

  1. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Nahrungsmittel als Allergene und Kreuzallergien. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst: Pollenassozierte Nahrungsmittel-Allergien (OAS). Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Kreuzallergie. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  4. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Klima-freundliche Ernährung birgt Allergierisiko. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. Mothes-Luksch N. et al., Allergy 2017 (PubMed Central): Pru p 3, a marker allergen for lipid transfer protein sensitization also in Central Europe. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. Olivieri B. et al., Pediatric Allergy and Immunology 2025 (PubMed Central): IgE-mediated lipid transfer protein allergy in children. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  7. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Molekulare Allergiediagnostik – Tests für besondere Fragen. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  8. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: So wird eine Nahrungsmittelallergie festgestellt. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  9. Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich: Wie wird eine Anaphylaxie behandelt?. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  10. Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Einflussfaktoren und Auslöser. Abgerufen am 18. Oktober 2026.

Stand: 18. Oktober 2026. Recherchiert aus den genannten Quellen, nicht ärztlich begutachtet.

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